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VENEDIG

Es fällt tatsächlich in diesen Tagen schwer von einer Reise zu schreiben, ohne allzu viel Wehmütigkeit zu verspüren. Aber es wird die Zeit wieder kommen, erst in Deutschland, dann in Europa und später auch wieder in der weiten Welt, in der wir unser Fernweh stillen können. Zwischenzeitlich möchte ich euch von meinem Kurztrip nach Venedig erzählen, die ich im letzten Jahr mit Freunden unternommen habe.

 

Blick auf den Canal Grande von unserem Balkon aus

Eigentlich bin ich kein großer Venedig-Fan, wenngleich ein riesiger Italien-Liebhaber. Venedig war in meinen Augen immer stark geprägt von viel zu vielen Touristen, viel zu viel Abzocke und viel zu wenig wirklichem Italien. Selbst frühere Reisen in den stillen Monaten wie November und Januar in die Lagunenstadt konnten mich nicht vom Gegenteil überzeugen.

 

 

Aber dann erreichten mich im letzten Sommer immer wieder Fotos via WhatsApp von Freunden, die einen fast menschenleeren Markusplatz zeigten. Berichte in den Medien, dass sich sogar wieder Delfine in der Lagune tummeln würden, machten auch neugierig. Und da es im Sommer 2020 eh wenig Möglichkeiten zu Auslandsreisen gab, war ich von meinen Freunden, die beide noch nie in Venedig waren, schnell dafür zu gewinnen, für ein paar Tage mitzukommen.

 

Blick auf den Markusplatz

Blick seitlich vom Markusdom

Schnell war klar, dass ich mit dem Zug anreisen würde, da die beiden schon einige Tage mit dem Auto in Italien unterwegs waren und wir erst in Venedig aufeinander treffen würden. Ich gönnte mir ein Erste-Klasse-Ticket um den nötigen Abstand besser wahren zu können. Um kurz nach halb sieben ging es am Morgen in Augsburg los und gegen 15 Uhr sollte ich am Bahnhof Venezia Santa Lucia sein.

 

malerische Blicke durch die Kanäle

Die Suche nach einer passenden Unterkunft für uns gestaltete sich schwieriger. Aber nicht aufgrund der Wohnungsknappheit, sondern aufgrund des fantastischen Angebots, das es plötzlich zu erschwinglichen Preisen gab. Letztendlich fiel unsere Wahl auf einen sensationellen Palazzo direkt am Canal Grande mit Blick auf das Museum von Peggy Guggenheim direkt gegenüber. In Nicht-Pandemie-Zeiten wäre die Unterkunft sicherlich kaum bezahlbar gewesen, da sie uns von zahlungskräftigen Amerikanern und Japanern streitig gemacht worden wäre. Aber so kamen wir in diesen unvergleichlichen Genuss in erster Reihe.

 

unser Balkon…

 

… und der Blick am Abend

Der Zug war reserviert, die Wohnung gebucht. Nun war noch die Überlegung, ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel vorzubuchen, denn das Fahren mit den legendären Vaporetti ist in Italien für Touristen mit 7,50 Euro pro Fahrt teuer. Noch teurer wird es, wenn man sich ein Wassertaxi bucht. Daher lohnt es sich gleich am Bahnhof ein Mehrtagesticket zu kaufen. Zwei Tage kosten 30 Euro und drei Tage 40 Euro. Das scheint auf den ersten Blick viel, aber es ist gut investiertes Geld, zumal es sich bei interessierten Besuchern der Stadt auf jeden Fall bezahlt macht. Ich hatte mein Ticket von Zuhause aus via Internet über www.veneziaunica.it gebucht und dann am Bahnhof den Voucher nur noch getauscht. Genauso gut kann man die Tickets aber vor Ort erstehen, jedoch sind die Automaten nicht an allen Haltestellen aufgestellt.

 

auch die legendären Gondeln bieten Mitfahrgelegenheiten

 

Mit der Linie 1, die wie ein Sightseeing-Boot durch den Canal Grande schippert, erreichte ich in knapp 30 Minuten meine Zielhaltestelle Sta. Maria del Giglio. Laut Stadtplan lag unsere Unterkunft nur wenige Gehminuten entfernt, aber Google Maps verlor im Gassengewirr leider auch etwas die Orientierung, sodass sich die Suche etwas hinauszögerte. Schließlich stand ich vor einem Palazzo, den ich von meinen früheren Besuchen in der Stadt kannte und es jetzt kaum fassen konnte, dass wir hier in diesem prächtigen Bauwerk tatsächlich unser Zuhause auf Zeit finden sollten.

 

unser Salotto

Signora Mariacaterina wartete bereits auf mich, um mir ihr herrschaftliches Heim zu zeigen. Eine venezianische Signora wie aus dem Bilderbuch und noch mehr bilderbuchartig war unsere Wohnung, die als Casa Zucchi bei Airbnb gelistet war. Nach einem netten Plausch mit der Hausherrin und der Führung durch die stilvolle und auch geräumige Wohnung, verabschiedete sich die Signora und überließ mich dem Genuss des Verweilens auf dem Balkon, der einen sensationellen Blick auf den Canal Grande bot. Fast fühlte ich mich bemüßigt, den in den Wassertaxis und Vaporetti vorbeifahrenden Touristen, von meinem Logenplatz aus zu winken, wenn sie neidisch zu mir heraufblickten. Was für ein Ausblick, was für ein Gefühl, was für ein Privileg.

 

Logenplatz

Drei Tage Venedig pur lagen nun vor uns, als meine Freunde wenig später eintrafen. Und selbst für einen Venedig-Skeptiker wie mich sollten diese Tage unvergleichlich werden.

 

 

Wir wollten uns treiben lassen. Keine Pläne, wenigstens kaum welche. Da ich die Stadt ja schon kannte, hatte ich nur zwei To-Do-Punkte: Den Friedhof San Michele und das Peggy-Guggenheim-Museum, das direkt vor unserer Nase lag. Und noch ein Appuntamento hatten wir. Wir hatten uns für drei Stunden eine Stadtführung gebucht bei Luisella Romeo . Mit viel Charme und Wissen begleitete sie uns durch den Markusdom, bzw. den Teil, der aufgrund von Covid19 zugänglich war, führte uns durch das Herzstück der Stadt, gab tolle Tipps und erzählte Hintergründiges zur Lagunenstadt.

 

  

 

 

Venedig zeigte sich in diesen Tagen von seiner allerbesten Seite: Erstmaligen Besuchern mag die Stadt vielbesucht vorgekommen sein, aber Venedig-Kenner konnten es durchaus sehr schätzen, dass sich das Touristenaufkommen auf Italiener, Deutsche und ein paar wenige andere europäische Nationen beschränkte. Was unser Freud war, war des anderen Leid. Die Souvenirverkäufer und Gondolieri, die ihre Kundschaft vorwiegend unter Amerikanern und Asiaten in früheren Jahren gefunden hatten, litten erheblich unter den Umsatzeinbußen.

Wir konnten uns einfach nicht satt sehen an dem verlassenen Markusplatz bei Nacht, der eine gewisse mystische Ausstrahlung hatte.

 

Markusplatz bei Nacht

Auch ein Ausflug auf den Lido am Abend zum Apero durfte nicht fehlen.

 

 

 

San Michele, die Friedhofsinsel der Stadt gilt nicht nur in hektischen Zeiten als Idyll, das einen Abstecher und eine kurze Verschnaufpause lohnt

 

 

 

Eine Vaporettofahrt am Abend – Venedig by night – in diesen Zeiten ein unglaubliches Erlebnis – und das Boot hatten wir fast für uns alleine.

 

Wenn ich an frühere Reisen nach Venedig zurückdenke und an das kulinarische Erlebnis dort, dann war es nicht immer positiv in meiner Erinnerung geblieben. Doch auch hier musste ich meine Vorurteile revidieren. Dank eigener Recherche und Luisellas Empfehlungen erlebten wir kulinarische Highlights, die wir häufig mit Einheimischen teilten. Einige Beispiele führe ich gerne hier auf:

 

 

Ai Mercanti – Gastrosteria

Nevodi – Ristorante

Osteria alla Frasca

Antico Calice – Ristorante

Eine telefonische Reservierung war unabdingbar und häufig war auch erst Platz in der zweiten Essensschicht um 21.30 Uhr, aber das störte bei den hochsommerlichen Temperaturen und einem lauschigen Plätzchen draußen all´aperto nicht im Geringsten.

 

 

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