Afrika, Allgemein, Reisen, Sansibar, Tansania
Kommentare 1

SANSIBAR

Sansibar oder der letzte Grund – das hatte ich in der Schule gelesen. Und obwohl das Buch eigentlich gar nichts mit der Tropeninsel zu tun hat und der Name nur für eine undefinierbare Sehnsucht steht, war auch in meiner Erinnerung der Name immer mit Fernweh, Sehnsucht und Geheimnisvollem verbunden. Sansibar, die Gewürzinsel im Indischen Ozean, Schmelztiegel der arabischen, indischen und afrikanischen Kultur, Zentrum des Sklavenhandels bis ins 19. Jahrhundert, Heimat der schönsten Strände der Welt.

 

 

Jetzt sollte es also soweit sein und ich das Ziel meiner jungendlichen Sehnsüchte bald selbst bereisen. Denn nach unserer Äthiopienreise wollten wir noch ein paar Tage am Strand verbringen und aufgrund der guten Flugverbindungen von Ethiopien Airlines ergab sich bald Sansibar als die optimale Destination, um mit ein paar faulen Tagen am Meer den Urlaub zu beschließen. Doch Sansibar ist auf jeden Fall zu schaden, nur am Strand zu liegen, daher hatten wir auch für die Insel Pläne – nicht viele, aber immerhin stand ein absolutes Muss auf unserer To-Do-Liste, nämlich die Hauptstadt der Insel, Stonetown.

 

Bereits 10 Monate vor der Reise recherchierte ich bei Booking.com, denn unser Aufenthalt fiel noch in die Weihnachtsferien und daher lag der Verdacht nahe, dass erschwingliche Unterkünfte frühzeitig Mangelware werden könnten. Außerdem wollten wir unbedingt in den Süden der Insel, der wohl aufgrund der weniger attraktiven Strände noch mehr Beschaulichkeit aufweist und man noch ruhiger urlauben kann, als an manch anderen, stärker bebauten und damit frequentierten Strandabschnitten. Außerdem bleibt man dort von den Beachboys größtenteils unbehelligt, die einem hartnäckig Bootstouren zu Delfin-Beobachtungen, Spice-Touren oder Taxi-Dienste anbieten wollen und durchaus so anstrengend werden können, dass es einem den Urlaub ein wenig verleidet.

 

Entscheidung für Kizimkazi im Süden der Insel

Die Entscheidung fiel auf die Promised Land Lodge in Kizimkazi. Zwei Unterkunftstypen standen zur Auswahl. Wir entschieden uns gegen ein Doppelzimmer und für einen Bungalow, der auch mit vier Personen hätte genutzt werden können und pro Nacht etwa 100 Euro kostete, inklusive Frühstück. Die Bilder im Internet versprachen wirklich ein Stückchen „Gelobtes Land“, wie der Name der Lodge auch übersetzt werden kann.

 

Von Äthiopien aus kontaktierten wir die Lodge bezüglich eines Taxitransfers ab dem Airport, der uns für 40 $ zugesagt wurde und für ca. 90 Minuten Transferzeit akzeptabel schien. Dollar und Tansania Shilling werden beide als Währung im Land akzeptiert. Mit Euro kann man auch vieles bezahlen, muss allerdings dann Wechselverluste in Kauf nehmen.

Flotte Immigration

Kurzer Kultur- und Temperaturschock bei der Einreise. Die Ankunftshalle mit der Immigration auf Sansibar ist ein Provisorium. Diverse Aushänge entschuldigen sich zwar dafür, aber die Luftfeuchtigkeit scheint bei 100 %, es ist brütend heiß und die Halle ist mit ankommenden Touristen überfüllt, die alle nach einer Unterlage suchen, um ihre Einreiseformulare, die es leider im Flugzeug nicht ausgehändigt gegeben hat, auszufüllen. Was möchte man nicht alles von uns wissen… Einige Schweißausbrüche später stehen wir am Immigration Schalter an, mit unseren ausgefüllten Formularen, dem Impfpass für die bei der Einreise geforderte Gelbfieberimpfung, einem Passbild und 50 Dollar bewaffnet. Unsere Formulare werden entgegengenommen, direkt klein zusammengefaltet, ungelesen zur Seite gelegt und vermutlich anschließend umgehend entsorgt. Die Impfung interessiert nicht, auch nicht das Passbild, sondern lediglich das Geld. So schnell bin ich noch nie in ein visumpflichtiges Land eingereist. Dollar her, Stempel in den Pass, Quittierung des Betrags in den Pass und fertig ist die Immigration. Das Gepäck steht auch schon irgendwo rum in der provisorischen Ankunftshalle und überall krakeelen uns aufgeregte Geldwechsler entgegen, die uns Shilling tauschen wollen. Der Kurs ist natürlich grauenhaft, und jetzt auch noch ausgerechnet der Computer offline, aber da wir wissen, dass es Geldautomaten nur in Stonetown gibt, schmeißen wir der zwielichtigen Wechslerzunft 50 Euro in den Rachen, um nicht völlig ohne Bargeld da zu stehen. Unser Dollar-Depot ist nämlich stark geschmälert nach meinem Visumproblem in Äthiopien und bietet hier keinen großen Spielraum mehr.

 

Erfreulicherweise wartet draußen auch schon der Taxifahrer auf uns und ein beflissener offiziell aussehender Gepäckträger entreißt mir meine Reisetasche, um sie zehn Meter später dem Taxifahrer in die Hand zu drücken und von mir Trinkgeld einzufordern. Na ja, war ja klar. Der alte Trick funktioniert auch bei mir ab und an wohl noch.

 

Die Fahrt in den Süden von Sansibar ist interessant, um einen ersten Eindruck von der Insel zu bekommen. Rechts und links der Straße wird Obst in vielen Varianten angeboten: Mango, Bananen, Jackfrüchte und Papayas. Wir durchfahren Alleen, die von Mangobäumen gesäumt werden, erleben muslimisch geprägte Straßenszenen und werden von spielenden Kindern mit einem freundlichen „Jambo“ begrüßt.

 

Promised Land Lodge – das gelobte Land

In der Promised Land Lodge werden wir von Moussa erwartet, der uns sofort zu unserem traditionellen Bungalow bringt, der sehr einfach, aber liebevoll eingerichtet ist. Erfreulich sind vor allem der Ventilator, die Moskitonetze und das geräumige schlichte Bad. Wir haben vier Betten und können uns gut in der großzügigen Unterkunft ausbreiten. Später sollen wir uns an der Bar, der zentralen Anlaufstelle der Lodge einfinden, damit wir eine kurze Einführung bekommen. Die Lodge ist nicht allzu groß und so liegen alle Zimmer, der Poolbereich, die Bar und das Restaurant recht nahe zusammen. Im Restaurant gibt es jeden Tag ab 8 Uhr Frühstück, ab 13 Uhr Mittagessen und Abendessen wird ab 19.30 Uhr serviert. Beim Mittag- und Abendessen wählt man etwa eine Stunde vor dem Beginn an der Bar aus der Karte aus, somit kann sich die Küche gut vorbereiten. Das Essen ist lecker, alles wird frisch zubereitet – manchmal könnte es besser gewürzt sein und auch die Salate etwas ideenreicher zubereitet werden. Aber der viele fangfrische Fisch am Abend, das leckere Obst zum Frühstück und viele andere Kleinigkeiten machen auch das kulinarische Angebot zur Lodge passend.

 

 

 

 

 

Generell herrscht eine gute Atmosphäre in der Lodge. Das Publikum ist ziemlich gemischt: Viele Holländer, Skandinavier und Franzosen. Die Jungs und Mädels, die dort arbeiten sind total nett. Schnell bekommt man auch heraus, wer zuverlässige Aussagen macht und an wen man sich bei wirklich wichtigen Fragen wenden muss. Das beliebteste Vokabular ist „Hakuna matata“, was auf Suhaeli so viel heißt, wie „kein Problem“. Aber wir müssen nach Äthiopien wieder einen Gang zurückschalten – jetzt sind wir wirklich in der Gelassenheit Afrikas angekommen.

 

 

 

 

 

Die gesamte Anlage ist total liebevoll angelegt mit unterschiedlichsten Liege- und Relax-Möglichkeiten. Alles nicht nur schön fürs Auge, sondern auch bequem. Durch Ebbe und Flut ist es zeitweise ein kleines Stück zu laufen, bis man im Meer ist, aber auch wenn Flut ist, gibt es direkt keinen Sandstrand, sondern man muss vom Liegebereich eine steile Steintreppe die Felsen hinabsteigen, um ins erfrischende Wasser zu gelangen. Aber so kann man auch mal eine Wattwanderung in Afrika unternehmen.

 

Etwa 20 Minuten läuft man von der Promised-Land-Lodge in den Ort Kizimkazi, der ein paar Cafés, einen interessanten Fischfangplatz, wo sich das Dorfleben abspielt und ansonsten ein paar Szenen des Alltagslebens bietet. Sofort hängt sich natürlich ein „Guide“ an unsere Fersen, der uns die Attraktionen des 600 Seelen zählenden Dorfes zeigen möchte. Aber wir sehen uns durchaus in der Lage, die Erkundung selbständig durchzuführen.

 

 

Von Anfang an war der Plan, nichts außer einen Tagesausflug nach Stonetown auf unsere To-Do-Liste zu setzen. Klar, viele unternehmen Delfin-Beobachtungstouren, andere machen einen Schnorchelausflug oder eine Gewürz-Tour ins Innere der Insel oder besuchen einen nahegelegenen Nationalpark, wo sich zwei verschiedene Affenarten tummeln. Da ich diese Delfin-Jagden auf das Strikteste ablehne und wir nach Äthiopien auch tatsächlich etwas Ruhe nötig haben, steht wirklich nur Stonetown, die Hauptstadt von Sansibar auf dem Programm.

 

Stonetown – arabisch, indisch und afrikanisch

Das Taxi kostet nach Verhandlung hin und zurück 55 Euro. Und diesmal haben wir Glück mit Mudy, unserem Fahrer, der gleich mal mit uns sein Englisch ein wenig trainieren möchte. Nach jedem Satz schüttet er sich aus vor Lachen und sein Lachen ist echt köstlich. Für unseren Ausflug nach Stonetown haben wir uns einen Regentag ausgewählt. Unabsichtlich, aber es war goldrichtig, da es dadurch nicht ganz so heiß wurde und uns der Regenguss am Mittag erwischte. Gerade, als wir gemütlich in einem Café saßen.

 

 

 

Wow! Stonetown ist klasse. Die Altstadt besteht aus einem arabischen Gassengewirr und der Stadtplan, den uns Mudy mitgegeben hat, als er hörte, dass wir auch hier auf einen Guide verzichten wollten, nutzte eigentlich nicht viel. Kaum einmal drin im Gewusel, hat man auch schon die Orientierung verloren. Dass wir auf einen Guide verzichteten, die ihre Dienste zahlreich immer wieder anboten, hatte nichts damit zu tun, dass wir Geld sparen wollten, aber wir wollten uns einfach nur treiben lassen und den Flair der in vielen Reiseberichten so magisch beschriebenen Stadt auf uns wirken lassen. In der Tat strömen unzählige Eindrücke auf einen ein, wenn durch die Gassen schlendert. Indien, der Orient, aber auch Afrika – alles vermischt: In der Architektur, in den Waren und in den Menschen. Eine der Hauptattraktionen ist auf jeden Fall der legendäre Gewürzmarkt, am Darajani Bazaar, wo in einem Duft diese Melange der Völker zum Ausdruck gebracht wird: Zimt, Pfeffer, Curry, Vanille und unzählige andere Aromen vermischen sich hier.

 

 

Aber auch die Architektur der Stadt spiegelt die indischen und arabischen Einflüsse wider. Einige der indischen Handelshäuser sind heute zu imposanten Hotels im traditionellen Stil umgebaut worden und bieten neben Zimmern auch eine wunderbare Dachterrasse mit Restaurant. Legendär sind die beiden Emerson-Hotels, die leider schon ausgebucht waren, als wir uns dort zum Lunch niederlassen wollten. Ein hilfsbereiter Hotelmitarbeiter brachte uns aber zu einem ebenfalls historischen Hotel, nämlich dem Swaheli House, das in seinem Roof-Top-Restaurant nicht nur leckeres Essen, sondern auch einen tollen Ausblick auf die Dächer und Türme der Stadt und das Meer bot.

 

An der Strandpromenade entlang bummelt es sich entspannt mit Ausblick auf die kleinen vorgelagerten Inseln und die Ausflugsboote, die Touristen wie Einheimische dorthin bringen. Hin und wieder laufen größere Schiffe ein, wie zu Beispiel die aus der tansanischen Hauptstadt Dar-es Salaam mehrmals täglich kommende Personenfähre. Ein Tag ist definitiv sehr kurz, um all die Eindrücke von Stonetown aufzunehmen, die die Stadt bietet und wir bedauern sehr, dass wir den legendären Nachtmarkt an der Promenade in den Faharadi-Gärten nicht miterleben können, wo am Abend allerlei Leckeres frisch aus dem Meer zubereitet und angeboten wird.

 

Falls mein Blog-Beitrag jemanden zu einer Reise nach Sansibar inspiriert, kann ich ihm für einen zuverlässigen Transport auf der Insel auf jeden Fall unseren Taxifahrer Mudy empfehlen, der nicht nur Englisch spricht – was dort nicht selbstverständlich ist – sondern extrem zuverlässig, gewissenhaft und ehrlich ist. Er hat nicht nur Humor, sondern übernimmt stellenweise im Auto sogar ein bisschen die Funktion eines Guides. Man kann ihn über Whatsapp im Vorfeld kontaktieren: +255 773 660900 – er freut sich über Arbeit.

 

 

1 Kommentare

  1. Mudy driver ( Mohd Abdallah) sagt

    The below information related my identification as mudy driver and any one needs to visit sabsibar (Zanzibar) I’m welcome u all

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*