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KOTOR

Der Radiobeitrag, dass die Bucht von Kotor von Lonely Planet als Top-Trend-Reiseziel 2016 ausgewählt worden war, bekräftigte meinen Entschluss, dass ich unbedingt einmal dorthin musste. Ich hatte mich beruflich vor einigen Jahren schon mit Montenegro beschäftigt, es aber nie geschafft, vor Ort mir selbst ein Bild davon zu machen. Die Kombination mit Dubrovnik schien daher um diese Jahreszeit perfekt. Mehr als die Küstenbereiche waren im Januar nicht machbar, auch wenn eine Fahrt zu den Nationalparks, allen voran zum Durmitor schon sehr verlockend gewesen wären.

Bucht von Kotor

Bucht von Kotor

Die Bucht von Kotor ist von Dubrovnik nur einen Tagesausflug entfernt

Der Herr von der Autovermietung im Hotel in Dubrovnik war ziemlich unkompliziert und wie alle Kroaten, die wir auf unserem Trip kennengelernt hatten, total freundlich. Eigentlich müsste er für die grüne Versicherungskarte, die wir für die Fahrt nach Montenegro benötigten, 50 Euro und für die Einwegmiete für die Abgabe des Wagens am Flughafen 25 Euro verlangen, wie er uns auf der Preisliste einsehen ließ. Aber schließlich wäre ja Nebensaison und wenn wir mit seinem kleine Up! zufrieden wären, dann würde er uns für zwei Tage einen Spezialpreis von 70 Euro machen. Das Navi gab es auch noch inklusive dazu. Wer könnte da schon nein sagen?

Klosterinseln in der Bucht

Klosterinsel Sv. Djorde und Friedhofsinsel Gospa od Skrpjela

80 km sind es von Dubrovnik nach Kotor. Je nachdem wie lange es an der Grenze dauert, sollte die Strecke in zwei Stunden zu machen sein. Dabei gibt es zwei Alternativen: Die Panoramastraße und die Fähre. Unser Autovermieter riet für beide Strecken zur Panoramastraße, was definitiv ein guter Tipp war.

Perast in der Bucht von Kotor

Perast in der Bucht von Kotor

Auf verschiedenen Internetportalen wurde vor der Einreise nur mit dem Personalausweis gewarnt und angegeben, dass man sich mit Personalausweis sogar eine Art Visum an der Grenze beschaffen müsste. Stimmt nicht. Abgesehen von ein paar Montenegrinern mit deutschen Autos und Kennzeichen, die an der Grenze ein bisschen auf dicke Hosen machten und sich über die Trägheit der Abfertigung echauffierten, verlief die Einreise in unseren Augen schnell und völlig problemlos.

Uhrturm in Kotor

Uhrturm in Kotor

Ein Highlight ist die Anfahrt zur Bucht von Kotor

Schon wenige Kilometer nach Herzeg Novi führt der Weg auf die Panoramastraße rund um die Bucht von Kotor. Erst tut sich ein Blick auf die Klosterinsel Sv. Djorde sowie deren Friedhofsinsel Gospa od Skrpjela auf. Danach zieht sich die Straße vorbei an überwältigenden Bergkulissen bis zum Örtchen Perast, das gemeinsam mit der Bucht von Kotor seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Mit wenigen Hundert Einwohnern zählt Perast sicherlich zu den schönsten Orten in der Bucht von Kotor. Nicht umsonst wurde der ganze Ort unter Denkmalschutz gestellt. Einheimische und Touristen sitzen in den Straßencafés, daneben reparieren Fischer ihre Netze und Hausbesitzer rüsten sich für die Sommersaison. Sofort fühlt man sich in dieser unaufgeregten Atmosphäre wohl.

am Hafen von Kotor

am Hafen von Perast

Erklimmen der Stadtmauer von Kotor

Wenige Kilometer weiter erreicht man die kompakte Altstadt von Kotor, die innerhalb der Stadtmauer liegt und von verwinkelten Gassen und von Bauten, die zwischen dem 12. und dem 20. Jahrhundert entstanden sind, geprägt ist. Kotor Stadt wird von drei Seiten von Wasser umgeben, die Bucht von Kotor wird von bis zu knapp 2000 Meter hohen Bergketten des Orjen und des Lovcen umrahmt. So hübsch, wie die engen Gassen der Stadt sind, aber so richtig kann man die Schönheit dieses Ortes erst erfassen, wenn man ihn von oben sieht. Das ist nicht ganz unanstrengend. Wie auf den Skipisten, gibt es drei Varianten, die Stadtmauer, die sich bis zu 250 m über dem Meeresspiegel erstreckt, zu erklimmen. Für die „schwarze Piste“ im übertragenen Sinn benötigt man festes Schuhwerk und eine gewisse Trittsicherheit. Aber auch von der einfacheren Route hat man schon einen sensationellen Blick auf die Stadt und die Bucht. Hatte man vor dem Besteigen noch so seine Zweifel an der historischen Bedeutung Kotors, so versteht man mit diesem Überblick plötzlich alles. Sogar die Mongolen hatten sich schon die Mühe gemacht, die Bergketten zu überwinden und die Hafenstadt zu attackieren.

Markt am Hafen

Markt am Hafen

Irgendwas ist hier aber sonderbar. Montenegro ist nicht in der EU und dennoch zahlt man mit Euro, was man ja im benachbarten Kroatien trotz deren EU-Zugehörigkeit nicht tut. Und dies ist nicht der einzige Unterschied zwischen den Nationen. Montenegro ist tiefster Balkan mit einer Mentalität, die sich auch für uns Tagestouristen erkennbar von der mitteleuropäischen unterscheidet. So herzlich willkommen, wie in Dalmatien fühlt man sich hier definitiv nicht. Dennoch locken auch mich immer noch die Nationalparks Lovcen und Durmitor, wo sich mit der Tara-Schlucht der zweitgrößte Canyon der Welt befindet.

Blick auf Kotor und die Bucht

Blick auf Kotor und die Bucht

Touristisch haben die Montenegriner aber schnell begriffen. Kein Wunder, denn der Tourismus ist gerade in dieser Ecke der wichtigste Wirtschaftszweig. Boutique-Hotels, lockende Außengastronomie und stylishe Bars laden ein – wenn jetzt noch gelächelt werden würde, dann wäre der Erfolg der Destination Montenegro nicht mehr aufzuhalten.

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