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FRANKFURT UND STIFFELIO

Skyline von Frankfurt

Warum muss man ausgerechnet in die Oper Frankfurt? Die Aufgabenstellung war gar nicht so einfach: Nämlich ein Geschenk zu finden für einen Opernliebhaber, der fast alle Opernhäuser in Europa gesehen und unermesslich viele Opern bereits erlebt und gehört hatte. Außerdem sollte das Reiseziel maximal vier Auto- oder Bahnstunden entfernt sein und natürlich ein besonderes Erlebnis bieten.

Neue Oper Frankfurt

Neue Oper Frankfurt

Es dauerte ein wenig, aber dann fiel meine Wahl auf Frankfurt und das dortige Opernhaus, die Neue Oper Frankfurt. Als ganz besonderer Glücksfall entdeckte ich auf dem Spielplan die fast unbekannte Verdi-Oper Stiffelio. Da mir das Werk überhaupt nichts sagte, befragte ich Kenner dazu und selbst die fragten erst mal irritiert nach, weil sie dachten, ich würde von Fidelio sprechen. Aha, offensichtlich war mir da wirklich eine kleine Sensation gelungen und auch für den Beschenkten war diese Oper eine Premiere.

Szene aus Stiffelio

Szene aus Stiffelio

Ist Frankfurt immer eine Reise wert?

Aber bevor der Kunstgenuss auf dem Programm stand, war erst einmal Sightseeing in Frankfurt angesagt. Unser Hotel Skyline lag ziemlich zentral, nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt und doch etwas abseits von Frankfurts verrufener Bahnhofsgegend. Am Wochenende, wenn das Business in der Bankenmetropole pausiert, kann man durchaus ein Schnäppchen bei der Hotelbuchung machen. Das im neu entstehenden Europaviertel gelegene Skyline Hotel wurde erst 2015 eröffnet und verfügte über jegliche Annehmlichkeiten, die man heute von einem modernen Stadthotel erwartet: Klares elegantes Design, gute technische Ausstattung sowie flexibles und gastorientiertes Personal.

Blick auf den Main

Blick auf den Main

Blick auf die Skyline von Frankfurt

Ob Frankfurt allein nun einen Wochenendtrip wert ist, darüber kann man streiten. Aber in Verbindung mit einer kulturellen Veranstaltung oder einem Ausflug z.B. ins nahe Rheingau lohnt sich ein Besuch allemal. Außerdem bietet keine Stadt in Deutschland eine großartigere Skyline, die man vom 200 m hohen Main Tower am besten bewundern kann. Diese Attraktion zieht fast alle Frankfurtbesucher an und mit 6,50 Euro ist die Auffahrt im Vergleich zu anderen Aussichtsplattformen auf der Welt absolut erschwinglich. Allerdings war der Ansturm groß, sodass uns am Samstag die Schlange zu lang war und am Abend nach der Oper sowohl die in der obersten Etage befindliche Lounge, wie auch das Restaurant natürlich seit Wochen ausgebucht waren. So blieb uns nichts anderes übrig, als die Auffahrt auf den Sonntagmorgen zu verschieben. Aber das Zeitinvestment lohnte sich auf jeden Fall.

Römerberg-Zeile

Römerberg-Zeile

Ein absolutes Muss beim Stadtspaziergang sind natürlich auch die Römberbergzeile und der Römer, das Wahrzeichen der Stadt. Nachdem sich das Nachkriegs-Frankfurt zunächst wenig touristisch attraktiv gezeigt hatte, beschloss man in den 80er Jahren diesen zentralen Platz nach historischen Plänen in der traditionellen Fachwerkbauweise wieder aufzubauen. Der gegenüberliegende Römer ist seit dem 11. Jahrhundert das Rathaus Frankfurts.

Alte Oper

Alte Oper

Weitere Abstecher führen zur Alten Frankfurter Oper, in der heute hauptsächlich nur noch Konzerte stattfinden, zur weltbekannten Frankfurter Börse, zur Hauptwache, einem ehemaliges Gefängnis und zur Zeil, eine der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands. Es gibt wirklich viel zu sehen in Frankfurt, das sich international präsentiert, was man auch an den vielen unterschiedlichen Sprachen erkennt, die auf den Straßen gesprochen werden. Touristen und auch Neu-Frankfurter aus aller Welt machen Frankfurt bunt und interessant. Und wenn das Wetter mal für einen Stadtspaziergang nicht so geeignet ist, dann gibt es tolle Alternativen. Wie Perlen auf einer Schnur reihen sich die Museen am Frankfurter Museumsufer aneinander und präsentieren regelmäßig spektakuläre Ausstellungen.

Ob es am Abend unbedingt noch das touristische Sachsenhausen sein muss, wo man früher in gemütlichen Lokalen beim Äppelwoi saß, sei dahingestellt. Die Kneipen und Restaurants werden dort immer internationaler und verlieren an traditionellem Charme.

Traditionelles Äppelwoi-Lokal

Traditionelles Äppelwoi-Lokal

Stiffelio an der Oper Frankfurt – ein Operngeheimtipp

Das Highlight unserer Frankfurtreise war aber auf jeden Fall die Aufführung von Stiffelio in der Neuen Oper Frankfurt. Nach der Ernennung zum „Opernhaus des Jahres“ durch das Fachmagazin „Opernwelt“ 2003  nimmt die Oper Frankfurt heute immer noch unter den deutschen Bühnen einen Spitzenplatz ein.

Szene aus Stiffelio in der Oper Frankfurt

Szene aus Stiffelio in der Oper Frankfurt

Das Haus bietet vor jeder Oper eine kurze Einführungsveranstaltung für die Besucher an, was gerade im Fall des weitestgehend unbekannten Stiffelio sehr hilfreich war. Hier erfuhr man, dass als Giuseppe Verdi um 1850 die Oper  komponierte, ihm eigentlich schon klar gewesen sein musste, dass er mit diesem Libretto nicht die Zensur passieren würde:  Ein Priester, verheiratet und seine Frau eine Ehebrecherin, das sind die Hauptfiguren in dem Stück. Als Verdi damals aufgefordert wurde, die Oper umzuschreiben und den katholischen Entscheidern im konservativen Italien gefällig zu machen, weigerte er sich und ließ die Oper lieber in Vergessenheit geraten, als sie zu verstümmeln.

Szene aus Stiffelio mit Lina

Szene aus Stiffelio mit Lina

Aber der Stoff war und ist gut, die Musik ohnehin. Erst 1968 kam es zu einer ersten Aufführung und als dann in den 1990ern in Verdis Villa weitere Aufzeichnungen entdeckt wurden, konnte das Puzzle Stiffelio völlig rekonstruiert werden. Womit die Opernwelt einen echten, lohnenden Verdi hinzugewonnen hat.

Die Inszenierung an der Oper Frankfurt ist schlicht, könnte aber gar nicht passender sein  und ist in der Mennoniten-Szene angesiedelt. Die Kirche als wichtigstes Bühnenbildelement, zentral platziert, ist dominant, eng und ständig in Bewegung. Wenig lenkt von dem Geschehen, den herausragenden Solisten, allen voran Russell Thomas als Priester Stiffelio, und dem Chor ab. Ein fantastischer Opernabend!

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