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BILBAO

Wenn man Bilbao hört, dann fällt vermutlichen vielen zunächst das Guggenheim-Museum ein. So ging es mir auch. Bilder von der großartigen Architektur des Museumsgebäudes tauchen vor dem inneren Auge auf. Aber bietet die Stadt sonst noch was? Auf jeden Fall! Leider hatten wir tatsächlich nur einen Tag  – als Tagesausflug von San Sebastian aus – eingeplant, aber mehr gab unser Kurztrip ins Baskenland leider diesmal zeitlich nicht her.

 

 

Wir hatten uns in San Sebastian einquartiert, nicht nur, weil zum Zeitpunkt unserer Reise Hotelzimmer in Bilbao rar waren. Dies lag an dem Wochenende vor allem am European Rugby Champions Cup, der 2018 in Bilbao stattfand und große Scharen von Rugby-Fans vor allem aus dem angelsächsischen Sprachraum in die Stadt lockte. Im Normalfall bietet die Stadt ein größeres Unterkunftsangebot als das etwas kleinere San Sebastian mit günstigeren Alternativen als die elegante Nachbarstadt. Stündlich verkehren Busse zwischen den beiden Städten. Die einfache Fahrt liegt für die 75 Minuten bei ca. 14 Euro. Vom Busbahnhof in Bilbao läuft man ca. 20 Minuten in die Altstadt und auch ca. 20 Minuten zum Guggenheim-Museum. Natürlich gibt es auch öffentliche Verkehrsmittel, sogar eine Metro, mit der sich jedoch die Hauptattraktionen der Stadt nicht direkt erreichen lassen und in jedem Fall noch einen kleinen Fußmarsch erforderlich machen.

 

 

Bilbao – wie Phönix aus der Asche

Man kann sich kaum vorstellen, welche Veränderungen in den letzten 25 Jahren in der Stadt vorgegangen sind. Während Anfang der 90er Jahre durch den Niedergang der Schwerindustrie und der Schließung von Werften die Zukunft der Stadt düster aussah, findet man heute eine moderne Metropole vor, die nicht nur durch die Architektur des Guggenheim-Museums ihr Erscheinungsbild völlig gewandelt hat. Die Stadtväter Bilbaos waren mutig und entschieden sich dafür, aus Alt Neu zu machen und aus Grau Grün. Mit dem Bau des weltberühmten Museums legten sie in den Jahren 1993 bis 1997 den Grundstein dazu. Mehr als eine Million Besucher kommen seither jährlich nach Bilbao, um sich live von dem Wandel der von Industrie verschandelten Stadt in eine stolze attraktive Metropole zu überzeugen.

 

 

Das Guggenheim-Museum – Highlight der Stadt

Das Guggenheim-Museum ist und bleibt aber das Highlight eines Besuchs. Bei normalem Besucherandrang empfiehlt es sich online Eintrittskarten zu reservieren, da man dann an den Warteschlangen vorbei, direkt zu den im Eintrittspreis von 13 bis 16 Euro integrierten Audioguides und anschließend zu den Einlasspforten durchmarschieren darf. Wir hatten großes Glück, denn just in dem Zeitfenster, für das wir unsere Karten reserviert hatten, wurde das Rugby-Endspiel angepfiffen und fast alle zu diesem Zeitpunkt in Bilbao weilenden Touristen waren im oder auf dem Weg zum Stadion. So stand der Muse für die Besichtigung des grandiosen Bauwerks mit ebenso grandiosem Inhalt nichts mehr im Wege.

 

 

 

Das Gebäude, das der amerikanische Architekt Frank O. Gehry Mitte der 90er am Rio Nervión geplant und erbaut hat, war nicht unumstritten. Aber längst sind alle Kritiker verstummt und haben sich an die Kalksteinblöcke, Glas, Wassergärten und an die hauchdünnen Titanplatten, die wie Fischschuppen wirken, gewöhnt. Die Besichtigung beginnt bereits außen, wenn man z.B. auf „Maman“, eines der riesigen Spinnenexemplare von Louise Bourgois trifft oder „Puppy„, dem Blumenhund von Jeff Koons gegenüber steht. Leider bekam er gerade ein neues Blumenfell, was zwei Mal im Jahr passiert, und war daher in seiner gesamten Größe nur auf der verhüllenden Leinwand optisch zu erfassen.

 

 

Innen erwarten einen 19 Galerien, deren Zentrum ein 50 Meter hohes Atrium bildet, das allein schon eine fastastische Attraktion darstellt. In der Collection Guggenheim finden sich zahlreiche namhafte Werke von Rothko, Rauschenberg, Beuys, Warhol, Baselitz – um  nur eine kleine Auswahl zu nennen. Daneben gibt es immer noch mindestens zwei temporäre Ausstellungen. In unserem Fall war das u.a. eine hochinteressante Präsentation von Kunst und China nach 1989 sowie von Esther Ferrer, einer Künstlerin aus San Sebastian. Besonders beeindruckend sind die sieben Stahlstrukturen von Richard Serra „The Matter of Time„, die für die Besucher zu begehen sind. Wer sich zwischendurch ein wenig Pause von der vielen beeindruckenden Kunst gönnen möchte, kann im Bistro und im Restaurant des Museums, das jedoch nur bis 15.30 Uhr geöffnet ist, gut Energie tanken.

 

Charmante Altstadt mit Brücken und Kunst

Aber wie schon anfänglich erwähnt, sollte man sich auf keinen Fall nur auf das Museum konzentrieren, sondern auch einen Abstecher in die Altstadt machen, die unglaublich viel Charme versprüht. Gott sei Dank ist in Bilbao nicht aus allem Alten Neues gemacht worden. Kleine Läden, Häuser mit Wappen und Glasgalerien, traditionelle Cafés und nette Bars gestalten eine Atmosphäre, in der man sich gerne aufhält. Etwas ganz Besonderes sind in Bilbao die vielen Brücken, die über den Rio Nervión führen und fast auch wie Kunstwerke wirken. Kunst gibt es übrigens auch überall in der Stadt und entlang der Promenade vom Guggenheim-Museum am Ria de Bilbao entlang, wie der Rio Nervión ab der Altstadt von Bilbao genannt wird.

 

 

 

 

Einen Blick sollte man auf jeden Fall auch in die Markthalle La Ribera werfen, wo Einheimische einkaufen und ein Teil als eine Art Bistro reserviert ist, in dem es Pintxos in allen Variationen gibt. Selbst wenn man nicht vorhatte, hier einen kulinarischen Stopp einzulegen, so kann wohl kaum jemand dem vielfältigen attraktiven Angebot widerstehen, zumal es auch an Bier und Wein im La Ribera nicht mangelt.

 

 

 

Wir haben es sehr bedauert, dass wir so wenig Zeit für die Stadt hatten. Daher wird es nicht unser letzter Besuch gewesen sein, zumal ja der Flughafen von Bilbao erstklassige Verbindungen nach Deutschland anbietet. Nur, wie für San Sebastian auch, sollte man auf jeden Fall warme Kleidung und einen Regenschirm im Gepäck haben – auch im Sommer! Denn das baskische Wetter garantiert eines: Es ist selten so, wie es die Wetter-App angekündigt hat…

 

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