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JAVA UND BALI

Gunung Agung auf Bali

Indonesien stand seit Jahren ziemlich weit oben in meiner Reiseagenda. Irgendwie hatte es mich vor 25 Jahren, als ein großer Teil meiner Freunde dort hin reiste, nicht besonders interessiert. Jetzt wollte ich mir wenigstens einen kleinen Teil von Java und dann Bali ansehen – gerade richtig, um mal völlig auszuspannen.

Reisebericht am 17.12.2014 aus Java

So kurz vor meinem Abflug hatten sich ja doch auch bei mir ein paar Bedenken angemeldet, ob fast vier Wochen allein Urlaub zu machen, tatsächlich so eine gute Idee war. Aber das lag vermutlich nur daran, dass, als dann alles vorbereitet war, mir aufgefallen war, dass ich dieses Jahr noch überhaupt nichts von Weihnachten gehabt hatte. Und ich mir durchaus noch den einen oder anderen Glühwein in Gesellschaft meiner Freunde hätte gut vorstellen können, jetzt, wo ich plötzlich wieder die Zeit hatte, die mir die letzten Monate so unglaublich gefehlt hatte.

Jedenfalls ging die Reise gut los. Neben mir im Flieger saßen zwei Alleinreisende mit Endziel Sri Lanka und Thailand, mit denen ich mich im Flugzeug schon so gut verstanden hatte, dass wir sehr bedauerten, dass wir nicht das gleiche Reiseziel hatten, weil wir uns sonst sofort für die ersten Tage zusammengeschlossen hätten. Meine acht Stunden Zwischenstopp in Qatar waren nicht besonders aufregend und eindeutig zu lang – aber der Flughafen ist nigelnagelneu und die Scheichs lassen sich da nicht lumpen. Derzeit ist er noch völlig überdimensioniert, aber für die WM 22 wird es dann schon passen. Mit WLAN und einem Ruheraum mit Mega-Entspannungsliegen konnte man es dann gut aushalten, zumal nach gut muslimischer Tradition da nur eingemümmelte Frauen lagen und davon auch nur wenige, denn die Qatari an sich reist ja nicht so viel. Mit der kostenlosen Stadtrundfahrt, die Qatar Air mal angeboten hatte, hatte es leider nicht mehr geklappt – das konnten sie sich wohl nach dem Flughafenneubau nicht mehr leisten.

Im Flieger von Doha nach Jakarta kam dann die nächste angenehme Begegnung. Ich saß neben einer jungen Indonesierin, die Ärztin war und in Schweden in der Forschung tätig war. So wurde es ein super kurzweiliger Flug, bei dem mir zig Tipps für Jakarta und natürlich sehr viel Wissenswertes über Indonesien, die Kultur und die Rolle einer jungen Frau in einer wohlhabenden javanesischen Familie vermittelt wurde. Eine bessere Einführung hätte ich mir gar nicht wünschen können. Aber schon da wurde mir wieder klar, wie einfach doch das Leben für uns mit unserem deutschen Pass ist – und was es für Ilvari schon allein für ein Act ist, sich von Schweden aus nach Kopenhagen zu bewegen, solange sie keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung hat. Da hilft alles Geld der Welt nicht…

Muss man Jakarta gesehen haben?

In Jakarta hatte ich mir ein Hotel gebucht, das auch für mich mal ein Novum war. Es war im 8. Stock eines Parkhauses untergebracht. Sehr speziell, aber nicht schlecht… Am ersten Morgen war dann per Whatsapp die nächste Überraschung auf meinem Handy. Meine Nichte, die gerade wieder in China war und sich in einer ähnlichen Zeitzone wie ich aufhielt, ließ am frühen Morgen vermelden, dass ihre indonesische Freundin Gigi – die ich vor ein paar Jahren auch in Shanghai kennenlernen durfte und mit der wir unseren Heilig Abend 2011 verbracht hatten – mir doch sehr gerne für meinen Aufenthalt einen ihrer beiden Fahrer zur Verfügung stellen wollte. Erst zickt man ja als bescheidene Deutsche ein bisschen rum, aber nach ein paar Whatsapp mit Gigi hin und her, war ich überzeugt, dass sie ja noch ihren zweiten Fahrer nutzen kann und ich das Angebot annehme. Überzeugungshilfe für meine Entscheidung hat auch noch geleistet, dass es tatsächlich gefühlte 45 Grad hatte und ich schon Horrorstories über die Taxifahrer in Jakarta gehört hatte. Nicht nur alle Reiseführer haben der Zunft speziell in Jakarta ein Kapitel gewidmet, sondern auch Ilvari hatte ausdrücklich gewarnt. Man kennt das fahrende Gewerbe ja auf der ganzen Welt mit ihrer List, aber hier schien es nun wirklich noch ein bisschen dramatischer zu sein. Jedenfalls war das prima mit dem kleinen Fahrer Rahmat und seinem großen Auto. Und da nach vier Stunden auch alle Hauptsehenswürdigkeiten von Jakarta abgeklappert waren, hat er mich noch zur Shopping Mall gefahren, wo ich eigentlich nur hinwollte, weil die wunderbar klimatisiert war und laut Gigi und Ilvari einfach soooo sehenswert war. Aber da ticken die Asiatinnen halt ein bisschen anders – aber schon allein wegen der Konfektionsgrößen und Schuhgrößen komme ich ja nicht in Versuchung. Sehr beeindruckend war allerdings der Besuch der drittgrößten Moschee der Welt.

Moschee in Jakarta

Moschee in Jakarta

Eineinhalb Tage Jakarta waren dann auch genug, aber dennoch war ich froh, diese Zeit eingeplant zu haben. Meiner Meinung nach muss man schließlich auch wissen, wo man nicht unbedingt nochmal hin muss.

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Hafen von Alt-Jakarta

Yogyakarta – das kulturelle Zentrum von Java

Gestern war dann die Zugfahrt von Jakarta nach Yogyakarta angesagt. 7 Stunden sollte sie dauern und durch eine wunderbare Landschaft führen. Zweiteres hat sich auch wirklich bestätigt… Malerisch mit all den ländlichen Szenen und den Reisfeldern. Bin immer wieder eingenickt, weil das Schauen so anstrengend war! Ich hatte mir am Vortag schon ein Ticket in der „eksekutif“ Klasse gekauft, weil es da ein bisschen Beinfreiheit gab – was ja bei den kleinen Indonesiern und ihren öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so selbstverständlich ist. Jedenfalls war der Schalterbeamte mir sehr wohlgesonnen. Zum einen, weil ich auf Anhieb alles richtig machte, was wohl bei Touristen nicht so selbstverständlich war und zum anderen weil ich so schön, wie seine Mutter wäre, wie er mir durch seinen Kollegen ausrichten ließ, der ein bisschen englisch sprach. Gut, es gab schon mal erfrischendere Komplimente, aber von einem 25-jährigen wäre alles andere auch unangemessen gewesen, zumal er halb so groß und halb so schwer war wie ich. Richtig gemacht hatte ich alles, weil ich zuvor das Formular für die Beantragung der Fahrkarte ausgefüllt, mich dazu in der richtigen Reihe angestellt und danach nochmal auf Anhieb den richtigen Schalter für das Abgeben des Formulars gefunden hatte – da hatte ich mir so ein nettes Kompliment in der Tat verdient.

Jedenfalls war ich eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof. Da ich ja nie den Fehler anderer Touristen mache und Touristen frage, wenn ich etwas nicht weiß, weil die ja selber nichts wissen, hab ich mich gleich an eine sympathische Mutter mit Kind geheftet, die sich nach wenigen Minuten verantwortlich für mich fühlte und mich so mit Keksen und Informationen versorgte, da unser Zug schon am Startpunkt mehr als eine Stunde Verspätung hatte. Von den undeutlichen englischen Durchsagen, die sogar für solche Züge gemacht werden, versteht man als Ausländer nur „thank you for travelling with us“, und das auch nur, weil der Spruch von der DB geklaut ist und einem bekannt vorkommt. Aufgrund der Sympathien des Fahrkartenverkäufers für mich hatte ich einen Platz in der ersten Reihe am Fenster bekommen. Eine nette Indonesierin, die leider kein englisch sprach, saß neben mir. Sie nahm duldsam hin, dass ich meine Reisetasche in unserem gemeinsamen Fußraum verstauen musste und entschuldigte sich sogar dafür, dass sie dann ihren Fuß auf der Tasche abstellen musste, weil wir sonst mit meinem Gepäckstück nicht hätten reisen können. Nach etwa zehn Minuten Fahrt brach ihre Rückenlehne nach hinten durch, sodass sie umgesetzt werden musste und ich den Doppelsitz für mich hatte, was auch verhinderte, dass ich mit angezogenen Beinen für den Rest der Fahrt sitzen musste. Was nun kam, war vorbildlich und ich der Meinung, Herr Grube sollte mal in Indonesien in die Lehre gehen: Die Klimatisierung in dem etwas in die Jahre gekommenen Zugs funktionierte und war überaus angenehm, denn ich war auf sibirische Temperaturen gefasst; das Essen wurde am Platz serviert und schmeckte lecker; es gab überall Steckdosen und Informationen gab es auch, nehme ich jedenfalls an, denn irgendwas wurde immer wieder durchgesagt. Überraschend ist für mich, dass doch so wenige Indonesier englisch sprechen, denn mangels eines potentiellen Übersetzers im Umkreis von vier Sitzen erschloss sich mir nicht ganz, warum sich unsere anfängliche Verspätung von einer Stunde auf drei Stunden ausweitete. Kann aber durchaus an den Wartezeiten gelegen haben, wenn wir immer wieder Gegenverkehr auf der stellenweise eingleisigen Strecke durchlassen mussten. Ich hatte horrormäßiges über diese Zugfahrt im Internet in irgendwelchen Traveller-Foren gelesen und es bestätigte mir wieder, dass sich dort die gleichen Idioten profilieren müssen, wie in den IT-Foren, die ich ja ab und zu konsultieren muss.

Hotel in Yogyakarta

Hotel in Yogyakarta

Irgendwann kam ich aber dann doch noch am späteren Abend in Yogykarta an meiner netten kleinen Unterkunft, ganz im javanesischen Stil, an. Hier bleibe ich nun erst mal für drei Nächte. Heute hab ich dann die Stadt erkundet, die als das kulturelle Zentrum von Java gilt. Unter anderem hab ich den Sultanspalast, der immer noch bewohnt wird, besichtigt.

Kraton in Yogyakarta

Kraton in Yogyakarta

Hatte schon im Reiseführer gelesen, dass einem automatisch beim Bezahlen des Eintritts ein Führer an die Seite gestellt wird. Der strenge Herr, der mir das Ticket verkaufte, führte auch über die Nationalität der Besucher Buch und fragte, ob ein englischer Führer ok wäre für mich. Logisch. Plötzlich fiel ihm dann aber ein, dass es auch einen deutschsprachigen Guide gab und bevor ich einen Einwand einlegen konnte, hatte er das schon beschlossen und die Führerin informiert. Da ich spätestens seit unseren Erfahrungen mit Nini in Yangon doch lieber auf einen deutschsprachigen Führer verzichte, befürchtete ich das Schlimmste. Aber es war ok und das netteste daran war, dass die Führerin ganz selten Deutsche führte und nächste Woche nun eine deutsche Gruppe, die bereits angemeldet war, führen musste und jetzt schon so aufgeregt war. Daher machten wir das Ganze dann ein bisschen ausführlicher, wir übten Redewendungen und ich musste ihr immer wieder versichern, dass ich sie bestens verstanden habe. Na ja, im Reiseleitermotivieren habe ich ja ein bisschen Übung… Dann wurde ich heute mindestens von vier verschiedenen Schülerinnengruppen angesprochen, die mich auf englisch interviewen und natürlich auch ein Foto machen wollten. Einmal hatte ich sogar ein recht „anspruchsvolles“ Videointerview mit zwei Englisch-Studentinnen, die wissen wollten, wie ich denn auf Reisen Weihnachten feiern würde und wie meine Familie zu Hause feiert. Ansonsten wird nur immer ganz Schlichtes gefragt und dann ganz viel gekichert, wenn sich einer getraut hat, den Westler anzusprechen. Zum Foto stellen sich dann aber alle mutig dazu. Sind total süß die Mädels in ihrer Schultracht, die u.a. aus einem übergroßen Kopftuch besteht…

Tja, es war heute beeindruckend, aber es ist mit der Hitze in der Stadt schon sehr anstrengend. Ich kann überhaupt nicht begreifen, wie die Leute hier teilweise noch Jacken tragen. Die können definitiv keine Schweißdrüsen mehr haben! Für jemanden wie mich, der eine ziemlich schmale Bandbreite für seine Wohlfühltemperatur, nämlich zwischen 27,5 und 27,9 Grad hat, ein nicht zu erfassendes Mysterium. Denn kaum wirds mir zu kalt, passt es auch wieder nicht. Musste mir heute Nacht sogar Socken anziehen, weil ich die Klimaanlage auf 25 Grad gestellt hatte. Gestern hatte es stundenlang geregnet und dennoch hatte es am Abend immer noch 30 Grad – gefühlt natürlich wieder deutlich höher.

Borobudur

Borobudur

Borobudur – das achte Weltwunder

Morgen steht nun das Highlight hier auf dem Programm: Das achte Weltwunder Borobudur, der größte buddhistische Tempel der Welt und dann noch Prambanan, die hinduistischen Tempelanlagen. Wenn noch Zeit ist, dann gehts ins Bergdorf Kaliurang. Kanns mir einteilen, denn aufgrund dessen, dass kaum ausländische Touristen jetzt um die Jahreszeit hier sind, kann ich keine Backpackertour buchen, sondern nehm mir einen Fahrer für den ganzen Tag.

Ich hab seit Beginn der Reise noch keinen einzigen Deutschen getroffen – vereinzelt ein paar Holländer, ein paar Amis und Australier und das wars dann.

Prambanan

Prambanan

Aufgrund des Wetters und der Sicht habe ich nun meinen Reiseplan etwas abgeändert und werde nicht zum Mt. Bromo, dem berühmten Vulkan fahren. Ich hatte heute einen Indonesier in der Stadt kennengelernt, der meine Befürchtungen, dass aufgrund der Wolken und des täglichen Regens wenig zu sehen ist, bestätigt hat. Nach dem berühmten Doublecheck habe ich es jetzt eingesehen und heute für übermorgen einen Flug nach Bali gebucht und werde daher schon zwei Tage früher wie geplant auf Bali ankommen.

Buddhismus, Hinduismus – aber vor allem natürlich der Islam. Hier scheint alles ganz einfach miteinander zu funktionieren. Natürlich wissen wir, dass es nicht immer so ist, aber hier im Alltag ist alles völlig reibungslos – und die muslimischen Frauen sind hier mit ihren Kopftüchern wirklich superschick – da kann ich mir für den Iran schon mal was abschauen und bete, dass wir dann die 20° nicht übersteigen.

So, meine Lieben, jetzt muss ich mal langsam zum Nasi Goreng – bisher hab ich sonst noch nichts sooo tolles in der indonesischen Küche gefunden. Aber ich hoffe, das wird noch. Jedenfalls esse ich zum Frühstück inzwischen schon Toast und Rührei – das hat es bei mir ja noch nie gegeben. Aber zum Frühstück auch schon Nasi Goreng, wäre zwar für mich grundsätzlich kein Problem, aber ich befürchte jetzt schon langsam, dass ich es bald nicht mehr essen mag… Grobe Einschätzung nach wenigen Reisetagen: Es gibt weitaus bessere Küchen in Asien als die indonesische Küche. —- Zwei Stunden später: muss revidieren. Hab gerade äußerst leckeren Fisch mit Gemüse gegessen. Will trotzdem morgen kein Nasi Goreng zum Frühstück.

Jetzt hab ich euch wieder eine sehr ausführliche Reiseschilderung gegeben. Ich bin immer noch guter Dinge, dass mir diese Reise allein gut bekommt, zumal die Indonesier, die ich bisher kennengelernt habe und die englisch sprechen, unglaublich nett sind. Man kommt sofort ins Gespräch, weil die Indonesier – wie ja auch viele andere Asiaten – sehr neugierig sind, auch wenn die Unterhaltungen natürlich nicht eine Reisebegleitung ersetzen können. Supernett sind auch die anderen, die kein englisch sprechen, weil es immer mit Lachen irgendwie funktioniert. Und die Gesten sind ja überall auf der Welt – mit Ausnahme der Halligen – die gleichen. Ja, und damit die Indonesier auch mit mir zufrieden sind, habe ich natürlich einen Mann, der in Jakarta für eine deutsche Firma, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigt, arbeitet und den ich dann letzte Woche in Jakarta und nächste Woche auf Bali zu Weihnachten treffen werde. Unsere Tochter ist gut verheiratet zu Hause und braucht uns dieses Jahr an Weihnachten nicht an ihrer Seite. Mit der Geschichte sind alle zufrieden und ich hab meine Ruhe… Auch wenn ich mir kurzfristig überlegt hatte, noch ein zweites Kind zu bekommen, weil einem alten Herrn in der Fahrkartenschlange ein Kind zu wenig war und er mich sehr bedauert hat. Aber so ist die Welt der Einheimischen – wie so oft schon mit einer kleinen Notlüge – wieder in Ordnung und ich hab meinen Frieden.. Witzigerweise ist das mit Weihnachten hier ganz wichtig für die Leute, obwohl ja Indonesien das Land mit den meisten Moslems auf der Welt ist. Überall kann man Christbäume aus Plastik kaufen und man hört dann doch ab und zu auch „Last Christmas“. Für wen, hab ich noch nicht ganz begriffen, denn die Christen in Indonesien sind verschwindend gering in der Anzahl…

Reisebericht am 23.12.2014 aus Bali

Nach meiner letzten Mail, die noch aus Java kam, stand ja am kommenden Tag das große Besichtigungsprogramm von Yogyakartas Umland auf dem Programm: Borobudur, der größte buddhistische Tempel generell und Prambanan, der größte hinduistische Tempel – beides zusammen UNESCO-Weltkulturerbe.

Borobudur

Borobudur

Das war wirklich gewaltig und wäre unglaublich schön gewesen, diese riesigen Anlagen in aller Ruhe zu erkunden. Man hätte sich da Stunden aufhalten können, aber es gab zwei Handicaps. Zum einen die unglaubliche Hitze, die mir heute wirklich ein wenig zugesetzt hat, zum anderen aber Tausende von indonesischen Schülern. Letzteres an sich, wäre ja kein Problem – ich hab ja jahrelang als Reiseleiterin jedes Jahr im Schulausflugsmonat April Hunderte von italienischen Schulklassen in Sizilien überstanden, aber die wollten alle ein Foto mit mir machen! Ich bin nun schätzungsweise auf 500 Fotos und 1000 Selfies verewigt worden. Erst ist das ja auch alles noch ganz witzig, weil sie doch so selten Weiße sehen, vor allem wenn sie mit der Schulklasse irgendwo vom Land kommen, aber wenn du dann keine 10 Sekunden mehr für dich sein kannst und in Ruhe schauen kannst, dann wirds nervig. Dazu kommen noch die unzähligen Interviews und Führungen, die sie für ihren Englischunterricht mit dir machen wollen. Hab alles am Schluss einfach mit „very good“ quittiert und unterschrieben. Wenn jetzt die Englischqualität im Lande noch schlechter wird, bin ich schuld. Zwischendurch musste ich noch Erziehungsarbeit leisten, denn wenn einer nur einfach „Foto“ gerufen hat, dann hab ich ihm erklärt, dass man da erst „bitte“ und danach „danke“ sagen muss. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mein Schnell-Knigge-Kurs gefruchtet hat, denn ich hab dabei in relativ verständnislose Gesichter geblickt…

Dann gings noch zum Vulkan Merapi, der sich am Morgen noch vorbildlich klar gezeigt hatte und am Nachmittag dann in den Regenwolken hing. Bin tapfer trotz einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 100% etwa eine Stunde mit Flip Flops bis zum Panoramablick aufgestiegen. Ich war die einzige, bis auf zwei muslimische Turtel-Jugendliche, die ich auf der Strecke aufgeschreckt hatte und jede Menge wilder Affen. Denen trau ich ja nicht so ganz über den Weg – hab ja seit Indien und erst recht seit Botswana eine leichte Affenphobie, allein wenn ich an deren schlechte Zähne denke… Und die schauen einen auch immer so kritisch an! Gut, die jetzt waren etwa einen Meter kleiner als das diebische Volk in Afrika, aber klauen und beißen können die Kleinen auch. In der Situation wären mir ein paar nach Fotos heischende Schulklassen ganz recht gewesen.

Affen am Merapi

Affen am Merapi

Mit meinem Fahrer bei dieser Tour hatte ich wirklich ein Superglück. Er sprach richtig gut englisch, war ein netter junger Kerl und ließ sich von mir zum allem den ganzen Tag löchern. Auf all meine Fragen wusste er eine Antwort. Lediglich warum Indonesien, trotz 280 Mio fußballbegeisterter Einwohner und dem Lieblingshobby „Fußball“ noch nie bei einer Fußball-WM mitspielen durfte, konnten wir nicht klären. Kleinlaut meinte er, dass sie aber immerhin im Badminton Weltklasse wären. Und weil er so nett war, mit 24 Jahren noch Single war und sich auch so interessiert immer wieder nach Deutschland erkundigt hatte, hab ich ihm sogar noch ein Foto von meiner Tochter gezeigt. Die Wahl fiel auf die Anna-Lena. Sorry Lisa und Ronny – aber mit einer Blondine konnte ich in diesem Fall eindeutig mehr Eindruck machen. Er hat mir auch erzählt, dass es jetzt in Yogyakarta Restaurants geben würden, in denen deutsche Bratwurst verkauft werden würde. Aber da die Indonesier keinen Senf mögen – WIE KANN MAN NUR? – essen sie die Bratwurst mit Chilimayonnaise. Nur gut, dass der hohe Cholesterinspiegel nur eine Erfindung der Pharmaindustrie ist…

Yogyakarta hat mit total gut gefallen. Die Stadt ist wirklich toll und das Umland sowieso. Eine ganz andere Liga als Jakarta. Meine Unterkunft dort hieß übrigens Rumah Mertua – das Haus der Schwiegereltern. Soll bedeuten, dass man sich dort besonders wohl fühlen soll. Wer in Deutschland würde sein Hotel so benennen??? Hätte vermutlich eher verkaufshemmende Wirkung, oder?

Am Tag danach war dann der Flug mit Air Asia nach Bali. Seither bin ich sieben Stunden vor euch. Für die drei kommenden Nächte hatte ich mich ja noch nicht um eine Unterkunft umgesehen, weil ich ja spontan meinen Plan geändert hatte und hab daher schnell noch vorher kurz was über booking gebucht. So genau wusste ich nicht, wohin ich wollte, weil ich ja insgesamt noch vier Mal die Unterkunft in Bali wechseln werde und eigentlich alles, wohin es mich richtig zog, schon durch diese vier Stationen abgedeckt war. Aber ich wollte unbedingt noch den Hindutempel Tanah Lot besichtigen – das ist die zweit häufigst besuchte Location auf Bali (hab natürlich nachgefragt – Nr. 1 ist der Flughafen :-)).

Tanah Lot

Tanah Lot

Bali – der geschäftige und touristische Süden

Und da ich zu dem Zeitpunkt noch kein so gutes Gespür für die Entfernungen auf Bali hatte, hab ich was in der Nähe von Tanah Lot gebucht – 15 km entfernt. Leider hatte ich mir das nicht näher im Reiseführer angesehen, denn mein Hotel am Echo Beach, war der Großraum von Kuta, wo ich absolut NICHT hinwollte, und liegt inmitten des Surfer Eldorados der Insel. Nicht ganz wie in Surfers Paradies in Australien, aber schon ein bisschen annähernd… Das Publikum besteht aus maximal halb so alten Australiern (aber immerhin sehr nett anzusehen…), die alle ausschließlich zum Surfen hier sind. Man spricht surferisch hab ich mir sagen lassen (Heidi, du erinnerst dich noch, wie das geht?). Der Strand ist unschön und nicht sehr gepflegt, in den Kneipen gabs Pizza und Burger, beim Kricketspiel Indien-Australien waren am Samstagabend die Straßen leer gefegt und an den Mopeds hingen überall Vorrichtungen fürs Surfbrett. Meine Unterkunft war für Bali sicherlich exotisch – eher ein Industriebau, aber ziemlich geschmackvoll, nur halt gar nicht balinesisch, eingerichtet. Aber ich hatte einen Meerblick, wenn ich mich streckte!

Hatte nun die zweieinhalb Tage genutzt, um einfach mal „Nichtstun“ zu lernen: Hab geschlafen (Leider nach wie vor zu den falschen Zeiten – hab schon seit ich zwei war, keinen Mittagsschlaf um elf mehr gemacht), war am Pool, war im Meer – das sind endlich mal meine Wassertemperaturen mit ca. 29 Grad!!!, hab den Surfern zugeschaut, hab gelesen, war essen – mehr oder weniger gut – und hab mit meinem schlechten Gewissen gekämpft, dass ich jetzt nichts tue. Ehrlich, ist gar nicht so einfach für mich mit dem Nichtstun. Obwohl ich natürlich automatisch durch die irrsinnig hohe Luftfeuchtigkeit ausgebremst werde. Am Echo Beach hatte es laut Wetterbericht wieder gefühlt 47 Grad, bei tatsächlichen 37 Grad. Absolut nicht mein Klima!

Bei Tanah Lot

Bei Tanah Lot

Am letzten Vormittag dort hab ich mir dann ein Taxi nach Tanah Lot genommen. Ein Spektakel ohne Gleichen – mit totaler Jahrmarktsatmosphäre. Aber natürlich sehr idyllisch wie der Tempel da so mitten im Meer liegt. Da die organisierten Ausflüge von den Hotels erst am Nachmittag mit anschließendem Sonnenuntergang dorthin unternommen werden, dachte ich, dass am Morgen vielleicht weniger Getümmel gäbe. Aber da waren die Indonesier selbst in unglaublichen Mengen da, aus allen Ecken des Inselstaats, weil die jetzt auch Ferien haben. Und alle Ecken des Inselstaats bedeutet, dass sehr viele vom Land kamen, vor allem von Java und Sumatra, so dass ich den ganzen Vormittag wieder Modell stand. Das nächste Mal gehe ich hin, wenn die lärmenden Aussi-Touris da sind, die wollen mich wenigstens nicht fotografieren. Eine junge Frau war ganz aufgeregt und wollte, dass ich ihr die Hand auf den Bauch lege. Dabei hat sie ständig gekichert. Ich weiß bis jetzt nicht, ob sie mir sagen wollte, dass sie auch so einen Bauch hat wie ich, oder dass sie schwanger ist. Vermutlich letzteres, weil sie gar so glücklich war und über ersteres sollten wir uns ja beide keineswegs so freuen…

Also das mit den Handys und natürlich mit den Fotos ist hier nun langsam wirklich besorgniserregend. Am Flughafen In Yogyakarta saß mir ein etwa 12-jähriges Mädchen gegenüber, die in ca. 5 Minuten ungefähr 100 Selfies von sich gemacht hat, als dann ihre beiden 5-jährigen Cousinen dazu kamen, posierten die Kurzen wie Profis vor der Kamera und weitere 100 wurden gemacht. Dann wurde Gott sei Dank der Flug aufgerufen… Und ich Dummerchen hab das Stativ für die Selfies, das Claudi aus Kambodscha letzte Woche mitgebracht hat, ja tatsächlich noch für einen Witz gehalten…

Hab mir am Echo Beach für die paar Touren meinen persönlichen Fahrer beschafft, da er mir viel über die Landwirtschaft hier erzählen kann, da er eigentlich Bauer ist. Bewundernswert, wie er sich englisch angeeignet hat – da sollten sich die ganzen Schüler mal ein Vorbild nehmen. Aber er weiß halt auch, dass er dann im Tourismus Geld verdienen kann, wenn er ein bisschen sprechen kann. Zweieinhalb Monate, wenn in der Landwirtschaft nichts zu tun ist, fährt er Auto. Uns verbindet auch, dass sein Sohn so alt ist wie meine Tochter – seither bekam ich immer guten Discount, wenn er mich fuhr… Auf dem Weg nach Sanur hatten wir aber eine kleine Meinungsverschiedenheit. Er wollte unbedingt schon am Vortag wissen, wo ich in Sanur wohne, weil er sich wohl schon vorher schlau machen wollte. Ich hatte aber die Adresse nicht parat. Also ging ein wildes Rumtelefonieren los, als wir losfuhren. Mein Vorschlag, doch gleich in der kleinen Anlage anzurufen oder unterwegs nach dem Weg zu fragen, zumal ich ungefähr wusste, wo es lag, wurde ignoriert. Dann fiel mir ein, dass das mit dem Fragen ja nicht so des Indonesiers Ding ist – wenn man etwas nicht weiß, kann man schnell das Gesicht verlieren. Also bot ich an, dass doch ich fragen könnte – der Vorschlag scheiterte aber daran, dass ich gerade sechs Wörter indonesisch beherrsche und mein balinesisch noch rudimentärer ist… Gut, irgendwann hat uns der Kumpel am anderen Ende des Telefons dann richtig gelotst – warum einfach, wenn es auch schwierig geht?

Feiertag auf Bali

Feiertag auf Bali

Sanur – so hab ich mir Bali schon eher vorgestellt

Meine nächste Etappe war also Sanur, wo ich jetzt bis zum 26. über Weihnachten bleiben werde. Hier ist es natürlich auch touristisch – wo auf Bali inzwischen wohl nicht? – aber es ist einfach eher auch mal meine Altersklasse hier unterwegs und meine Unterkunft ist wunderschön. Sie liegt direkt im Zentrum, aber völlig abgeschottet und mit netten Appartements, eigener Terrasse, Klo neben dem Bett auf der Dachterrasse im Freien und einem kleinen Pool. Das einfache Frühstück wird mir von der netten indonesischen Host auf die Terrasse gebracht – was will man mehr. So langsam gewöhne ich mich ans faul sein, auch wenn ich brav jeden Tag „Büroarbeit“ für eine Stunde mache – ist aber derzeit eher die Beantwortung von geschäftlichen Weihnachtsgrüßen.

Strand von Sanur

Strand von Sanur

Auf der Fahrt hierher hatte ich mal kurzzeitig die Krise. Von Canggu nach Sanur sind es ca. 25km – und auf dieser Strecke, die vor lauter Verkehr nur im Schritttempo zu bewältigen war, kam nicht ein Meter unbebautes Gebiet. Ein Shop reihte sich an den anderen, Hotels und Restaurants lagen in einer unglaublichen Menge dazwischen. Kurzzeitig dachte ich wirklich, dass ich dann ja gleich nach Lloret de Mar hätte fahren können… Aber jetzt in Sanur bin ich sehr versöhnt. Das ist genau die touristische Struktur, die man gut noch ertragen kann. Nette Geschäfte, nette Lokale und ein schöner Sandstrand. Natürlich hoffe ich, dass das – wenn ich weiter in den Norden und Nordosten komme – noch etwas ursprünglicher wird.

Das Problem war ja ein bisschen, dass die meisten von euch, die schon in Indonesien waren, da vor 25 bis 30 Jahren waren und somit die Tipps ein wenig überholt waren. Ich denke mal, zwischen damals und heute liegen Welten… Und irgendwie scheint Rucksackreisen hier auch nicht mehr in zu sein… Hier im Süden wenigstens nicht. Aber gut, bin ja auch mit Reisetasche inzwischen unterwegs…

Ansonsten ist alles prima bei mir. Hatte heute meinen ersten Strandtag und bin noch keineswegs vereinsamt, auch wenn man hier nicht gerade viel Leute kennenlernt – für ein kurzes Schwätzchen reicht es allemal. Und mehr brauch ich momentan auch nicht. Ein bisschen nervt mich, dass mich die Indonesier immer betüteln wollen, weil ich allein reise und auch das Gefrage nach meinem Mann. Man will ja nicht immer lügen, auch wenn es eine Notlüge ist.

Reisebericht am 29.12.2014 aus Bali

Nun ist schon wieder eine Woche vergangen, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Die Zeit rast… Ich hoffe, ihr habt Weihnachten ähnlich entspannt verbracht, wie ich es getan habe. Allerdings kann ich mir das kaum vorstellen, dass es bei euch ähnlich unspektakulär verlief, wie bei mir. Aber genau so wollte ich es ja.

Das letzte Mal hatte ich mich aus Sanur gemeldet. Ganz nett und sicherlich bezüglich der Hotels auch so, wie sich viele Bali vorstellen: schöne Ausstattung, schöne Architektur, ein bisschen balinesischer Zauber und ansonsten Strand und Sonne. Aber meins ist das ja nun so gar nicht… Aber aufgrund dessen, dass ich mir am zweiten Sanur-Tag das linke Schienbein verbrannt hatte, weil ich aufgrund meiner immer noch völlig gestörten Schlafgewohnheiten, am Strand in Tiefschlaf gefallen bin und nicht gemerkt hatte, dass sich die Sonne gedreht hatte, war der Strand eh dann kein Thema mehr.

Jedenfalls musste ich dann mein Schienbein pflegen und hab mich unter die Bananenstaude im Garten meiner kleinen Pension zurückgezogen und drei Bücher gelesen. War herrlich. Ab und zu ein bisschen raus, die Hauptstraße rauf und runter. Das wars dann schon an Aktivitäten. Mehr kann man in Sanur auch nicht machen… Und in dieser ruhigen Stimmung hab ich dann auch meinen Heiligen Abend verbracht. Würde man ja eigentlich gar nicht merken, dass Heiliger Abend ist, wenn nicht jeder Hindu voller Freude dir ein „Merry Christmas“ entgegenschmettern würde. Ich hab dann in meinen Erinnerungen gegraben und versucht herauszufinden, wo auf der Welt ich schon überall Weihnachten gefeiert hatte. Das ist schon der Hammer! Die Krönung des Erlebten war Heilig Abend in Namibia im Dachzelt in der Wüste Namib bei Windstärke ? und Fleecepulli – und wir hatten nur EINE Flasche Wein – verdammt wenig in einer solchen Situation – und eine Tüte Haselnüsse, auf die ich allergisch bin. Daher kann mich diesbezüglich nicht so viel schrecken. Aber ich wollte mir ja dann wenigstens zum Abendessen ein nettes Weihnachtsessen gönnen und hab eine balinesische Ente bestellt – ein erbarmungswürdiges Exemplar! Ich wusste gar nicht, dass ein Tier, das nur aus Haut und Knochen besteht und kein einziges Gramm Fleisch besitzt, existieren kann… Michl, leider hab ich deinen Vorschlag zum Fest „Waran in Currysauce“ 🙂 auf keiner Speisekarte finden können – ich nehme an, der wäre auch kaum zäher gewesen als dieses mit Haut umspannte Skelett. Jedenfalls bin ich immer noch nicht so begeistert von der indonesischen Kochkunst. Es ist zwar das Land der Gewürze, aber bis auf ein paar Mal, konnte ich einfach nicht feststellen, dass sie sie auch wirklich fein verwenden, wie man es aus z.B. aus Indien kennt. Entweder es ist nur Chili dran, oder es schmeckt fad. Aber immerhin bin ich schon dazu übergegangen, wieder Nasi oder Mie Goreng zu frühstücken. Bin einfach kein Rührei-Marmeladentoast-Frühstücker.

Ubud

Ubud

Lotusteich in Ubud

Lotusteich in Ubud

Ubud – langsam beginnt das eigentliche Bali

Von Sanur führte mich die Reise dann nach Ubud. Mir war schon klar, was mich hier erwartete. Ubud ist das kulturelle Zentrum Balis und liegt auch ziemlich mittig auf der Insel. Kulturelles Zentrum heißt auch, dass sich natürlich unzählige Touristen hier tummeln und über Kilometer hinweg Shops und Restaurants hintereinander angesiedelt sind. Da war ich gut vorgewarnt, auch von den Freunden, bei denen es schon sehr lange her ist, dass sie auf Bali waren. Am Anfang war ich mal wieder völlig schockiert. So hatte ich mir Bali nun wirklich nicht vorgestellt. Und so langsam fragte ich mich auch, was ich hier wollte… Bali und ich schienen wohl nicht auf einer Wellenlänge zu liegen. Ich fing fast an, meine Entscheidung, dass ich nicht länger auf Java geblieben und dann nach Sumatra weiter bin, zu bedauern. Aber nachdem ich ja selten was nachtrauere, was nicht mehr zu ändern ist, hab ich mich daran erinnert, dass es Gründe gab, es so zu machen. Ich wollte einfach ein bisschen zur Ruhe kommen. Und schließlich kann man den Indonesiern ja nicht verbieten, in ihrem Land Urlaub zu machen – denn das sind auch nicht unerhebliche Massen, die jetzt um diese Zeit reisen. Und für Eines ist Indonesien auf jeden Fall gut. Vermutlich brauch ich die nächsten Wochen auf gar keinen Fall einen Hyaluronfüller mehr für die Gesichtspflege – dadurch, dass man entweder schwitzt oder mit Regen beträufelt wird, sieht man aus, wie nach einer Botox-Behandlung.

Lotusteich in Ubud

Lotusteich in Ubud

Als ich in Ubud ankam, regnete es so heftig, dass das Wasser bis über den Knöchel stand. Ich konnte fast zwei Stunden nicht in meinen kleinen Bungalow, weil der Weg dorthin weitläufig war und alles unter Wasser stand. So geht es seither eigentlich alle paar Stunden. Aber es ist absolut faszinierend, wie schnell sich das Wetter ändert. Gott sei Dank sind die Temperaturen hier in Ubud für mich nun auch wesentlich verträglicher. Es ist zwar immer noch total heiß, kühlt beim Regen kurz auf ca. 31 Grad ab, aber insgesamt ist es hier einfach angenehmer, weil es auch etwas höher liegt. Wenn ich die Fotos anschaue, die ihr mir per Whatsapp von zu Hause geschickt habt, dann beklage ich mich auf gar keinen Fall mehr über die Hitze hier!

Und so ganz langsam nähern sich Bali und ich uns auch gegenseitig an. Einen großen Beitrag leistet hierzu auf jeden Fall auch die Unterkunft. Obwohl ich eigentlich in drei Minuten in Ubud auf der berühmten Monkey Forest Road bin, liegen die kleinen Häuschen völlig abgelegen. Nach hinten raus, steh ich nach einer Minuten mitten in den Reisfeldern. Und es gibt Unmengen an Fröschen hier. Wenn ich nachts nach Hause komme, muss ich ganz vorsichtig mit der Taschenlampe zum Bungalow, man will ja schließlich dem Froschkönig nicht wehtun, wenn er vor meiner Tür sitzt. Mit knapp 50 sollte man sein Schicksal nicht so herausfordern.

Den ganzen Trubel hier auf den Straßen kann ich inzwischen ganz gut ausblenden und es gibt hier tatsächlich auch richtig gute Kunst. Immer wenn es zu heiß oder zu nass wird, kann man hier in tolle Museen gehen, die ganz viel über die balinesische Lebensart und Kunst vermitteln. Und irgendwie hat der Ort immer noch ein bisschen von der Entspanntheit der Backpackerszene der 80er, die sich hier wohl getümmelt hat, obwohl inzwischen auch hier Australier und – viel viel schlimmer – trottelig ferngesteuerte Japaner, das Straßenbild bestimmen.

Wenn man sich ein Auto nimmt und aus Ubud rausfährt, verändert sich die Szenerie genau so schnell, wie wenn ich aus der hinteren Tür meiner Unterkunft raus gehe. Da scheine ich nun doch ein bisschen mehr im richtigen Bali angekommen zu sein. Die Hindus hatten am 27. Dezember einen ganz wichtigen Feiertag – aber eigentlich haben sie ja immer irgendeinen Feiertag für einen Gott, den sie verehren müssen. Bei den Hindus ist das ja alles ein bisschen unüberschaubar mit den vielen Göttern. Jedenfalls waren überall Zeremonien, was natürlich für mich ein wunderbares Spektakel war. Alle haben sich fein gemacht – wie bei uns in Oberbayern mit Tracht beim Kirchgang. Für mich ganz beruhigend ist ja, dass die balinesischen Hindus den Glauben etwas moderater leben, als es die Inder tun. Für all diejenigen, die „mieses Karma“ gelesen haben: In Bali wird man bei der Reinkarnation auf jeden Fall wieder als Mensch geboren, es kann einem nicht passieren, dass man als Ameise zurück auf die Welt kommt. Ich war ja schon ein bisschen in Sorge, wegen meiner ganzen Schwindelei bezüglich meines Familienstands…

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Opfernde Frauen

Was mich hier völlig begeistert, sind die Menschen. Immer sind alle gut gelaunt, freundlich, versuchen ein Schwätzchen zu halten und zeigen sich immer sehr interessiert. Die Männer mehr als die Frauen – aber die Mädels sind halt leider auch hier, wie vielerorts auf der Welt, sehr damit beschäftigt, ihr Handy im Minutentakt zu kontrollieren und sich permanent in der Glotze irgendwelche dämlichen Telenovelas reinzuziehen. Und wer ein bisschen denken kann, sieht die Entwicklung von Bali durchaus mit den gleichen skeptischen Augen, wie ich es tue. Es sind gar nicht so sehr die Touristenmassen, sondern die Balinesen selbst, die hier so ganz langsam ihrer Insel den Garaus machen. Über fast alle Straßen im südlichen Teil der Insel schiebt sich tagein tagaus eine unglaubliche Blechlawine. Vor ein paar Tagen waren wir im Norden und auf dem Rückweg standen wir 10 km im Stau!!! Wenn das auf der A8 an einer Baustelle passiert kann man das verstehen, aber auf Bali auf dem Land? Auch das Müllproblem wird immer größer und ist deutlich überall sichtbar. Vermutlich leben hier inzwischen – Einheimische und Touristen – einfach zu viel Menschen. Jeder Zentimeter ist genutzt, entweder als Wohn- oder Gewerbefläche oder als Anbaufläche für Reis oder anderweitige Nahrungsmittel. Die Insel ist derart fruchtbar, dass der Reis drei Mal geerntet wird und in der trockenen Zeit auf der Anbaufläche nochmal was anderes, wie z.B. Gemüse angebaut wird. Eigentlich generell schwer zu begreifen, dass ein Land wie Indonesien, das so reich an Bodenschätzen, Rohstoffen und landwirtschaftlichen Anbauflächen ist, dennoch so viele arme Menschen aufweist. Am Kastensystem, das in Indonesien im Gegensatz zu Indien nicht existiert, liegt es allemal nicht. Einer der Hauptgründe ist sicherlich die Korruption. Das wird auch nach den ersten vertraulichen Worten mit den Einheimischen bei jedem Austausch sofort ein Thema.

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Reisfelder auf Bali

Wenn ich mir hier einen Fahrer nehme und ein bisschen rumfahre, kostet mich das etwa 5 Euro mehr, als wenn ich mir selbst ein Auto miete. Macht also keinen Sinn. Ich erspar mir den Linksverkehr, den regellosen Verkehr an sich, muss nicht nach den Straßen suchen und hab dabei bisher immer sehr nette Unterhaltung gehabt, weil die Fahrer doch meistens ein bisschen englisch sprechen. Die schönste Tour war bisher die Fahrt in den Norden der Insel über den Bratansee und die dortige Berglandschaft. Eine unglaublich grüne Vegetation mit Reisterrassen, bunten Früchten, einer riesigen Blumen- und Pflanzenvielfalt. Man denkt, man ist im Treibhaus des Botanischen Gartens, obwohl es dann ganz oben am Berg, als wir in einer dicken Nebeldecke steckten, schon ganz nett frostig geworden war. Also das fand ich wirklich ganz ganz große Klasse. Einmal mehr wurde mir da bewusst, dass doch die Natur die größte Faszination auf mich ausübt, wenn ich reise. Bin dabei auch meinem ersten Flughund in meinem Leben begegnet. Ich dachte erst, da hätte jemand eine schwarze Plastiktüte, wie man sie für die Hundekacke benutzt, an den Zaun gehängt. Auf einmal bläht sich die vermeintliche Plastiktüte auf und ich sehe, dass das die Flügel vom Hund sind. Da ich ja bei solchen Erstbegegnungen nicht immer so heldenhaft bin, weiß ich nicht, wer von uns beiden mehr erschrocken ist.

Was ich bei der Tour auch zum ersten Mal in meinem Leben gesehen habe, war ein Luwak. Luwaks sind eine Katzenart – für mich sah der aber viel mehr nach Marder aus -, die junge Kaffeebohnen aus der Erde graben, die äußere Hülle ablecken, fressen, beim Verdauen die Bohnen fermentieren und dann wieder scheißen. Das Kacki wird aufgesammelt, gereinigt, geröstet und daraus entsteht der beste Kaffee der Welt. Derzeit soll ein nicht gestrecktes Kilo von dem Kaffee so ca. 300 Euro kosten. Aber den Luwak, den ich gesehen habe, hatte ein Mädchen als Haustier. Die beiden haben rumgebalgt wie man es mit einer kleinen Katze tut. Ein putziges Kerlchen!

Bei der Tour war ich mit Wayan unterwegs. Sich die balinesischen Namen zu merken, ist einfach. Die Söhne werden nämlich durchnummeriert – Wayan ist immer der erstgeborene, Made der zweite, usw. – sind es mehr als vier Söhne, fängt man wieder von vorne an. Die Tour war echt so witzig, weil ich immer so viel von ihm wissen wollte und er so viel von mir. Ein Thema waren die Straßen in Deutschland. Er wollte wissen, ob unsere viel breiter wären. Nicht unbedingt, meinte ich, denn die Straße, die wir zu dem Zeitpunkt fuhren, war durchaus mit einer schmalen Landstraße vergleichbar. Allerdings musste ich ihm auch klar machen, dass der Unterschied zu Deutschland ist, dass alle hintereinander fahren und nicht wie auf Bali nebeneinander. Verkehrsregeln haben sich mir bisher nicht erschlossen. Also musste ich ihm noch ein paar Regeln bei uns erklären, als Beispiel nannte ich das Blinken. Ab dem Moment waren wir da einzige Auto auf ganz Bali, das sogar beim „um-die–Kurve“ fahren geblinkt hat. Als ich ihn fragte, ob es denn auf Bali an Silvester ein traditionelles Essen geben würde, meinte er„selbstverständlich“ und strahlte, „Nasi Goreng“…

Jedenfalls hatte ich nach der Tour eine Einladung für Silvester… Bin zum Einen dann nicht mehr in Ubud und zum anderen schickt sich das natürlich überhaupt nicht für mich! Er macht nämlich mit seinen Kumpels Party und die Frauen schlafen zu Hause… Und außerdem halte ich mich in Indonesien lieber ans Bier – privat muss man ja mit dem Gebrannten sehr vorsichtig sein. Meistens trinken die einfachen Leute eh nur Arrak, wenn sie trinken, denn „eigentlich“ sollte das der gläubige Hindu ja nicht.

Beim balinesischen Tanz war ich auch noch – stehe ja eigentlich nicht auf sowas, aber wenn ich schon hier bin. Dauert auch nur eine Stunde – und eine Pekingoper hab ich ja schließlich auch schon überstanden. Ihr kennt ja mein Lebensmotto – nur von was, was man selbst mitgemacht hat, kann man sich auch eine Meinung bilden.

Da ich ja mit meinem iPad und dem ÜBERALL vorhandenen WIFI gut mit Informationen versorgt werde, hab ich natürlich auch von dem Absturz der Air Asia Maschine gehört. Als ich letzte Woche mit Air Asia geflogen bin, hab ich tatsächlich über einen Absturz nachgedacht, denn Air Asia möchte, dass man beim Online-Buchen eine Person angibt, die im Falle eines Absturzes als erstes informiert werden sollte.

Candi Dasa

Candi Dasa

Viele liebe Neujahrsgrüße aus Candi Dasa, meinem neuen Standort. Hier kommen wir meiner ursprünglichen Vorstellung von Bali nun doch sehr nahe. Schon allein die Fahrt hierher war toll. Anbei ein Foto von meinem kleinen Bungalow aus – das Meer liegt 50 Meter vor der Tür.

Reisebericht am 04.01.2014 aus Bali

So langsam geht nun auch dieser fast vierwöchige Urlaub zu Ende. Die letzten beiden Tage verbringe ich inmitten der Reisterrassen von Sidemen. Eine wunderbare Landschaft, abseits von allem Rummel, hier gibts nur ein paar Guesthouses, eine winzige Ortschaft etwa sieben Kilometer entfernt und sonst nichts als Reisfelder. Gestern Abend bot sich dann dieser Blick von meinem Balkon auf den Agung, den höchsten Berg Balis mit Reisterrassen und Regenbogen, den ich euch nicht vorenthalten möchte…

Blick auf den Gunung Agung

Blick auf den Gunung Agung

Candi Dasa – Bali fast noch im Dornröschenschlaf

Silvester in Candi Dasa war voraussehbar ähnlich unspektakulär, wie Weihnachten. Candi Dasa ist an der Ostküste von Bali und wirkt noch so ein bisschen wie im Dornröschenschlaf, aber auch hier haben sich langsam natürlich Shops, Restaurants und Unterkünfte breit gemacht. Meine Bungalowanlage war wunderschön. Ich hatte eine ganz einfache Unterkunft, aber traumhaft, ca 30 Meter vom Meer entfernt und der kleine Pool war nur etwa fünf Meter von meiner Terrasse entfernt.

Candi Dasa

Candi Dasa im Nordosten von Bali

Der Strand ist steinig und extrem schmal, aber das spielt hier eigentlich keine Rolle, weil es überall Pavillons gibt, wo man schön sitzen kann und einfach nur aufs Meer schauen kann. Außer mir waren nur noch ein altes australisches Ehepaar und eine kleine indonesische Familie in der Anlage – bis zum späten Nachmittag des Silvestertags. Dann fiel die Großfamilie des Besitzers ein. Unzählige Menschen schleppten Getränke, Plastiktüten, Chipstüten, Gepäck etc. zu den noch freien Bungalows und zu unserem Pavillion. Danach hüpften alle in den Pool – der damit natürlich völlig überfüllt war und unmittelbar danach startete der Kanonenbeschuss. Man platzierte sich rund um den Pavillion und starrte sechs Stunden in den Himmel. Seither weiß ich, dass Silvester für den Indonesier lediglich Raketen und Knaller abschießen bedeutet und dazwischen werden Unmengen von Chips vertilgt. Von 18.00 Uhr bis 24.00 Uhr wurde unaufhörlich geballert und da mir das dann irgendwann zu langweilig war, ging ich zwischendurch mal essen. War aber wohl der einzige Mensch in ganz Candi Dasa, denn alle Restaurants waren menschenleer… Nach sechs Stunden Knallerei kommst du dir langsam wie im Krieg vor und interessanterweise wurde es gegen halb zwölf dann ruhiger, dann war offensichtlich das ganze Pulver so langsam verschossen. Um Mitternacht rief man sich dann „Happy New Year“ zu, vielmehr rief man das natürlich nur mir zu, die anderen wünschten sich „selamat tahun baru“. Um halb eins war die „Party“ dann schlagartig vorbei. Um halb acht tummelte sich die gesamte Großfamilie wieder im Pool, womit sich das Ausschlafen dann auch erledigt hatte. Und keine Stunde später erfolgte die gleiche Prozession wie am Vortag mit Tüten, Bierkisten, Taschen – nur diesmal ohne Feuerwerkskörper – in die andere Richtung. Die indonesische Okkupation der Bungalowanlage mit Kanonenbeschuss war beendet.

Vielleicht schießen die Hindus ja auch so lange, dass sie die bösen Geister vertreiben, wobei man bei der Götterdichte im Hinduhimmel ja schon aufpassen muss, dass man nicht aus Versehen einen Gott mit einer Leuchtrakete abschießt.

Jedenfalls war spannend, wie sich der sehr käuferorientierte Einzelhandel gleich auf die Nachfrage eingestellt hat. Hatte meine Nachbarin neben meinem Bungalow am Nachmittag noch Batik-T-Shirts verkauft, war das Sortiment am frühen Abend komplett durch Silvesterknaller ersetzt worden.

Durch die ständige Zum-Himmel-Starrerei hatte ich mir dann am Neujahrstag eine Massage redlich verdient. Jede zweite Balinesin bietet Massagen an – war ganz nett und für vier Euro für eine Stunde kann man ja auch nicht meckern. Das hab ich in manchem europäischen 5-Sterne-Schuppen zum 20-fachen Preis schon anders erlebt.

Freitag hab ich dann den Osten von Bali erkundet. Nur ein paar Kilometer entfernt liegt Tenganan, eines der wenigen Dörfer, in denen noch balinesische Ureinwohner, die Bali-Aga leben. Da wohnen noch etwa 400 Leute und das Dorfgesetz will es so, dass sie untereinander heiraten, ansonsten müssen sie ihren Status aufgeben (wäre ein gesellschaftlicher Abstieg, da das Dorf sehr reich ist). Mein neuer Wayan hat mir erzählt, dass die Frauen keine Kinder mehr bekommen würden, dass es wie ein Fluch wäre und so das Dorf langsam völlig überaltert. Meinen Einwurf, dass es vielleicht an der Inzucht liegt, wollte er nicht gelten lassen… Wäre ja auch einfach zu logisch, da halten wir uns doch lieber an die schwarze Magie.

Die schmale Küstenstraße führte bis nach Amed. Hier wirds mit den Touristen dann ganz dünn, weil man die Ecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichen kann. Dennoch entstehen auf jedem freie Fleck Unterkünfte und Restaurants. Das erklärt mir langsam auch die sehr unterschiedliche Qualität von indonesischem Essen. Entscheidend ist nicht, dass man kochen kann, sondern über ein paar Qudratmeter Fläche verfügt, die man zum Restaurant umfunktionieren kann. Das ist ähnlich wie bei uns in Deutschland, da glaubt ja auch jeder, dass er eine Kneipe führen kann…

Der Osten von Bali ist wirklich traumhaft schön, bergig, unglaublich grün – aber auch sehr arm. Das Wetter wirkt immer ein bisschen trist, aber ich bin heilfroh, wenn die Sonne nicht runter sticht.

Wir kamen dann noch mit dem Auto an einer Totenverbrennung vorbei. War in diesem Fall sehr unspektakulär – was auf Bali eher selten der Fall ist. Ich dachte erst, hier würde der Hausmüll verbrannt werden, wunderte mich nur über die Zuschauer aus dem Dorf. Aber Wayan klärte mich dann auf. Es ist nämlich von Dorf zu Dorf verschieden. Bei einigen Dörfern sagt das Gesetzt, dass die Toten innerhalb von 24 Stunden verbrannt werden müssen und bei anderen kann man sie so lange aufbewahren, bis die Zeremonie ordentlich vorbereitet ist. Das kann bis zu vier Wochen dauern – sicherlich eine anstrengende Angelegenheit bei diesen Temperaturen, immer mit Eis nachzukühlen. So einen Nachbarn hat man ja nicht wirklich gern neben sich wohnen… Denn nur wer es sich leisten kann, lässt einbalsamieren und vorübergehend eingraben.

Batursee – Natur, Natur, Natur

Von Candi Dasa bin ich dann in ein kleines Dorf in der Nähe von Kintamani, an den Batursee umgesiedelt. Unterwegs lagen noch ein paar wunderschöne Sehenswürdigkeiten auf der Strecke: Goa Lawah, die Fledermaushöhle; die alte Königsstadt Klungklung und dann noch der heiligste Tempel von Bali, Pura Besakih. Das war ein superschöner Tag. Eigentlich hatte ich gerade beim Tempel wieder ziemlich viel Rummel erwartet, aber der blieb diesmal aus. Aufgrund der Wolken hatte diese riesige Tempelanlage was richtig mystisches an sich. Echt ein tolles Erlebnis. Und dann hab ich mir doch noch ne Batikhose gekauft – aber für drei Euro kann man schon mal einen modischen Irrtum begehen 🙂 Erst wollte sie 40 Dollar dafür… Aber da musste sie selber lachen. Ich hatte mal gelesen, dass die Indonesier bezüglich Aufdringlichkeit beim Verkaufen Weltspitze wären. Das kann ich überhaupt nicht bestätigen, weil sie in meinen Augen sehr zurückhaltend sind und vor allem immer ein Späßchen beim Handeln mit einem machen. Vielleicht bin ich aber auch nach Kuba im letzten Jahr diesbezüglich einfach nur völlig schmerzfrei, denn deren Aufdringlichkeit ist nirgendwo auf der Welt zu toppen.

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Am Batursee

Zwei Tage war ich dann am Batursee. Landschaftlich sicherlich eines der Highlights der Reise. Bin in einem ganz kleinen Dorf, zwischen See und Vulkan untergekommen, bei einer Russin, die sich hier auf Bali vor zwei Jahren niedergelassen hat. Erst hab ich mir gedacht, wie kann man denn hier als junge Frau sein ganzes Leben verbringen wollen – trotz der landschaftlichen Schönheit – aber dann hat sie mir erzählt, dass sie aus Murmansk kommt, und dann hab ich mir gedacht, dass sie hier definitiv die bessere Alternative gewählt hat. Aber irgendwie hat sie so gar nicht glücklich gewirkt, wenn sie immer so versonnen da stand und auf den Berg Batur geschaut hat. Ich bin nicht dahintergekommen – vielleicht war es nur die russische Melancholie oder sie hatte Heimweh nach der ewigen Finsternis am Polarmeer.

Auf 1.200 m Höhe wars dann die beiden Tage ziemlich frostig, weil es so viel Wind und auch relativ oft geregnet hatte. Hab die erste Nacht mit Softshelljacke geschlafen – hätte ich nicht gedacht, dass das nochmal passiert in dem Urlaub. Aber ich hatte vom Bett aus einen traumhaften Blick auf den See und wenn ich mich nach hinten umdrehte, auf den Vulkan. Für die Besteigung war das Wetter zu schlecht – es regnet alle zwei Stunden heftig. Aber der Weg führte direkt hinter meinem Bungalow vorbei und selbst der halbe Anstieg bot schon einen ganz tollen Blick. Hier war ich im totalen Gemüseparadies. Tomaten und Chili soweit das Auge reicht – unglaublich, wie fruchtbar auch hier wieder alles war. Kohl, Bohnen, Papaya, Mango etc. – fast wie im Schlaraffenland, es wächst einem fast in den Mund.

Störend waren hier eigentlich nur die LKWs, die schwer beladen mit Lavagestein zur Hauptstraße hochfuhren – jeder zweite macht den Eindruck, als würde er die steile Steigung von mehr als 20 Prozent weder rauf noch runter schaffen. Dazwischen dann noch jede Menge Motorräder, die hier gerne von Kindern gefahren werden: 7- oder 8-jährige Jungs, die ihre Geschwisterschar auf dem Moped transportieren, lässig eine Kippe im Mundwinkel haben und mir noch zurufen „how are you“. Ganz Verwegene bieten dann auch schon mal die Mitnahme auf dem zuvor schon überladenen Gefährt an…

Sidemen – inmitten von Reisterrassen

Meine letzte Station auf Bali war dann Sidemen. Ich hatte eigentlich vor, vier Tage am Batursee in den Bergen zu bleiben, hatte aber dann doch noch Gott sei Dank kurzfristig umdisponiert. Wenn das Wetter nicht gut ist, halten sich die Möglichkeiten dort in Grenzen und den ganzen Tag in „Hot Springs“ sitzen, macht mir ja keinen Spaß.

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Reisfelder bei Sidemen

Und nun bin ich also in Sidemen, genieße noch ein letztes Mal die Hitze und wandere durch die Reisterrassen mit wunderschönen Ausblicken. Wenn alles glatt geht, holt mich dann morgen mein Lieblings-Wayan dort wieder ab und bringt mich zum Flughafen.

Das Resümee aus dem Urlaub: Der ersten Tage auf Java und die zweite Hälfte des Baliaufenthalts im Osten und im Norden waren klasse. Der Süden von Bali ist nicht mein Fall – überlaufen und viel zu touristisch. Vielleicht habe ich aber auch einfach schon viel zu viel richtig Beeindruckendes in Asien auf den vielen anderen Reisen gesehen, als dass mich dieses „Asien für Einsteiger“ noch begeistern könnte.

Blumengruß aus Bali

Blumengruß aus Bali

Dann sind die knapp vier Wochen auch schon wieder zu Ende – und mir war allein kaum eine Minute langweilig. Aber irgendwie ist es schon sehr viel schöner, wenn man zu zweit reist, weil einfach der Austausch ein ganz anderer ist und man dadurch auch viel intensiver reist. Natürlich trifft man immer wieder Leute, aber der Austausch bleibt genau so oberflächlich, wie mit den Einheimischen, bei denen noch das Sprachproblem und natürlich das völlige Unverständnis für unsere Denke dazukommt.

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