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FLOATING PIERS

Floating Piers

Die Chance, die Installation „The Floating Piers“ vom „Verpackungskünstler“ Christo live am Iseosee zu sehen, wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Allerdings ermutigten die Berichte in den Medien nicht gerade zum Besuch: Von chaotischen Verhältnissen aufgrund der Besuchermassen, von schlechter Organisation vor Ort und der schwierigen Erreichbarkeit des Sees war da die Rede. Aber wollte ich mich davon aufhalten lassen? Mit Sicherheit nicht.

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Floating Piers

The Floating Piers verbinden Sulzano mit zwei Inseln

Der Meister Christo hatte Jahrzehnte versucht, in anderen Teilen der Welt dieses Projekt zu realisieren. Am beschaulichen Iseosee ist es ihm nun gelungen. 220.000 mit Stoff bespannte Schwimmkörper verbinden den Ort Sulzano auf bis zu 16 Meter breiten Stegen mit zwei im See gelegenen Inseln. Drei Kilometer führt der leicht schwankende, weithin sichtbare orangefarbene Parcours  über den See. Wenn man seine Runde absolviert hat, hat man etwa sechs Kilometer auf dem Wasser schlendernd zurückgelegt.

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Floating Piers

Die Recherche, wie und wann man es denn am einfachsten anstellt, nach Sulzano und zu den Floating Piers zu gelangen, war nicht ganz einfach im Internet. Shuttlebusse, Boote und Züge werden eingesetzt, allerdings viele davon erst zu Zeiten, wo wir eigentlich schon längst den frühen Morgen und das weiche Licht auf dem See genossen haben wollten. Also musste eine frühe Alternative gefunden werden. Und die sah so aus, dass wir eigentlich mit dem Zug direkt von Brescia, wo wir unser Nachtquartier aufgeschlagen hatten, nach Sulzano anreisen wollten. Der Plan hatte allerdings den Haken, dass die Metro, die uns am frühen Morgen zum Bahnhof bringen sollte, einen technischen Defekt hatte. Also musste Plan B aktiviert werden.

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Floating Piers

Mit dem Auto ging es zu einem etwa 30 Kilometer von Brescia entfernten Parkplatz, der bereits um sechs Uhr seine Pforten öffnete. Von dort aus brachte uns ein sehr pünktlich eingesetzter Bus direkt zum Ausgangspunkt für das Wandeln auf dem See. Von wegen schlechte Organisation! Alles klappte wie am Schnürchen. Und vor Ort mussten wir gerade mal 10 Minuten in der Schlange stehen, bis wir die Installation betreten durften. Hätten wir uns allerdings für Ausschlafen an diesem Morgen entschieden, hätte die Situation völlig anders ausgesehen. Als wir nach circa drei Stunden zu unserem Shuttle zurückkehrten, hatte sich die Länge der Schlange der Wartenden vervielfacht.

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Ruhe, Frieden und Gelassenheit auf den Floating Piers

Und? War es wirklich die weite Anreise wert? Muss man es gesehen haben? Das waren die Fragen, die uns heute immer wieder gestellt wurden. Ob es einem den Aufwand wert ist, muss wohl jeder selber entscheiden, aber für mich gesprochen, finde ich es wunderbar, dass ich dieses Werk Christos live erleben konnte. Man kann das Gefühl, in diesem Moment, wenn man die „Floating Piers“ betritt, Teil des Ganzen zu sein, nicht wirklich in Worte fassen. Und obwohl auch schon zu früher Stunde viele Parcoursgeher unterwegs waren, hatte man dennoch das Gefühl von Ruhe, Frieden und Gelassenheit, wenn man über die leuchtend gelb-orangen Stoffbahnen schritt.

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Für die Installation selbst bezahlt man keinen Eintritt. Christo stellt sein Werk den Menschen kostenlos zur Verfügung. Aber dennoch ist der Besuch der „Floating Piers“ kein Schnäppchen, da man beim Parken, Shuttle und bei der Verköstigung vor Ort natürlich kräftig zur Kasse gebeten wird, was aber aufgrund des logistischen Aufwands, der derzeit vor Ort gestemmt werden muss, durchaus verständlich ist.

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Floating Piers

Schade, dass Christo seine Installation auf nur zwei Wochen beschränkt hat und „The Floating Piers“ nur noch bis zum 3. Juli zugänglich sind. Aber für die Bewohner am Iseosee kehrt dann wieder ein bisschen von der Ruhe ein, die sie bisher gewöhnt waren. Allerdings wird die Installation den See auch nachhaltig verändern – Christo schafft zwar Installationen, die zeitlich begrenzt sind, aber die Erinnerung an seine Werke, überdauert Jahrzehnte.

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